USDseal Inspector: Was steckt wirklich in deiner USDZ-Datei?
- Wer eine 3D-Datei von einer Agentur bekommt, weiß in der Regel nicht, woher die enthaltenen Texturen und Materialien stammen und ob deren Lizenzen eine Weitergabe erlauben.
- Der USDseal Inspector ist ein kostenloses, browserbasiertes HTML-Werkzeug, das den Inhalt jeder USDZ-Datei ohne Installation, ohne Upload und ohne 3D-Kenntnisse lesbar macht.
- Besser noch: USDseal signiert USDZ-Assets mit einem kryptografischen Herkunftsnachweis auf Basis von Ed25519, demselben Standard, den Adobe, Microsoft und Google für “Content Credentials” nutzen.
Marketingleiter Franz sitzt gerade mit Anton, dem Chefkonstrukteur, zusammen: “Wir haben die 3D-Daten von deinem Team an die neue Agentur geschickt. Schau mal, das sind die Entwürfe der Renderings für die Website.”
Anton setzt seine Lesebrille auf: “Sind gut geworden, wie ein Foto. Wie haben die die Oberfläche der Anlage so gut hinbekommen?”
Franz zuckt mit den Schultern. Gute Frage — er weiß es nicht.
In dem letzten Satz von Anton versteckt sich eine ganz eigene Aufgabe und Fragestellung, und genau darauf möchte ich mit dieser Ausgabe eingehen.
Wenn du eine 3D-Datei von einer Agentur bekommst und sie z.B. auf der Website oder Messe nutzt, kannst du rechtlich haften, ganz ohne zu wissen warum. Was tun?
3D-Dateien aus der Konstruktion: Inhalt unbekannt
In verschiedenen früheren Beiträgen hatte ich ja schon von Datenformaten & Co. geschrieben, z.B. “Von CAD zu AR: Wie 3D-Daten Ihre Verkaufszahlen revolutionieren können” im November 2024. Wenn so eine Datei aus einer Konstruktionsabteilung kommt, dann besteht sie in der Regel aus den für die Fertigung relevanten Informationen. Wie groß soll das Bauteil werden? Genaue Form?
Was damit nicht beschrieben ist: Wie sieht das Bauteil von der Oberfläche her aus. Farbe? Wie stark glänzt die Oberfläche? Hat sie eine Struktur? Bei Holz z.B.: Welche Maserung genau? Dafür gibt es Datenbanken mit passenden Beschreibungen dieser Angaben.
Wir kennen das Prinzip aus der Zeit der MP3-Player: Wer den Tonträger hat, kann — nicht unbedingt legal, GEMA lässt grüßen — das Musikstück abspielen. Bei rein digitalen Daten wird es schnell komplizierter: Ist diese Oberflächenbeschreibung frei von Rechten anderer Unternehmen? Open Source? Welche Lizenz genau?
Eine verlässliche Quellenangabe wird immer wichtiger, wenn eine 3D-Datei das Unternehmen verlässt oder mit neuen Angaben in die Firma zurückkommt.
In der Regel bekommt man von seiner Agentur nur ein Bild oder eine Videodatei der neuen Maschine geliefert. Die Rechtefrage verbleibt bei der Agentur. Wenn man jedoch von der Agentur — z.B. von meinem Unternehmen viSales — auch die 3D-Masterdatei im Format USDZ bekommt, dann kann man sich auf diesem Wege ein Problem ins Haus holen. Genau an dieser Stelle verliert die Datei ihre Datenhistorie: Genauer Inhalt unbekannt.
Doch dafür habe ich eine Lösung entwickelt.
USDseal Inspector: Der Blick in den Bauplan der USDZ-Datei
Als ich vor einigen Wochen am ersten Tag der XR Expo gefragt wurde nach dem Inhalt einer 3D-Datei, setzte ich mich abends im Hotel an Claude Code und entwickelte aus der Fragestellung heraus ein kleines HTML-Werkzeug, das jeder sofort nutzen kann: Der Inspector ist ein HTML-File, d.h. offline nutzbar, kein Server, keine Installation. Am zweiten Tag stellte ich im Rahmen meines Vortrags die erste Version vor — wurde eine längere Nachtschicht. Daraus ergaben sich durch Feedback immer weitere Ergänzungen, und inzwischen ist der USDseal Inspector “Advanced” zu einem echt guten Werkzeug geworden.
Nun kann jeder Laie, ganz ohne 3D-Kenntnisse, seine USDZ-Datei auf den Inspector ziehen und bekommt sofort einen Report über die Angaben in der Datei. Falls also eine Person aus dem Marketing von einer Agentur oder aus dem eigenen Haus eine USDZ-Datei bekommt: HTML-Datei öffnen, USDZ ablegen und sofort den Report bekommen. Wer mag, kann alle Angaben sogar als PDF-Bericht speichern für die eigene Datenarchivierung.
USDZ-Datei prüfen ohne Terminal, ohne Python-Kenntnisse
Der Inspector zeigt auf einen Blick, was in einer USDZ-Datei steckt — ohne Terminal, ohne Python, ohne 3D-Kenntnisse.
→ USDseal Inspector testen (GitHub)
Für jede USDZ, auch ohne USDseal-Signatur: Geometrie-Kennzahlen (Polygone, Vertices, Materialien), Textur-Analyse mit Vorschau, AR-Quick-Look-Validierung gegen Apple-Spezifikation (21 Regeln — läuft das Asset auf iPhone und iPad, oder bricht es und warum?), USD-Metadaten wie defaultPrim und upAxis. Alles als PDF-Bericht speicherbar.
Zusätzlich bei USDseal-signierten Dateien: Wer hat signiert, wann, welche Version? Wurden Bestandteile verändert? Welche Tochter-Datei stammt aus welchem Master? Wichtig war mir besonders für unsere Kunden aus dem Bereich AeroSpace & Defence: Der Inspector läuft vollständig lokal im Browser, d.h. kein Upload, keine Telemetrie, kein Server — die Datei verlässt den Rechner nicht.
Ab v0.28 gibt es zwei Varianten: Standard (schlank, offline-fähig, für Audit und Compliance) und Advanced (mit optionalem 3D-Preview).
→ Alles zur Entstehung & zum Funktionsumfang: USDseal Inspector
→ Update: Inspector v0.28 — 3D-Preview, Trust-Layer, Variants
Was ist USDseal? Provenance & Lineage für USDZ-Assets
Wer mich kennt weiß: Wo ein USDseal Inspector ist, da muss es auch ein “USDseal” geben. Daher hier eine knappe Erklärung, was USDseal ist und wozu es dient.
USDseal ist ein Werkzeugkasten meiner Agentur, das jeder USDZ-Datei einen signierten Herkunftsnachweis mitgibt: Direkt im Asset, ohne externe Datenbank. Es dokumentiert, wer die Datei erstellt hat, aus welchen Bestandteilen sie besteht, welche Lizenzen gelten und ob sie seit der Signatur verändert wurde. Ein Teil dieser Angaben kann das Tool automatisch extrahieren, ein Teil muss ohnehin bei der Bearbeitung erfasst werden.
Das Kernproblem: Eine USDZ wandert von der Konstruktion über Marketing, Agentur, Messe bis zum Kunden und verliert dabei ihre Geschichte. Welche Textur stammt woher? Welche Version ist freigegeben? Darf diese Komponente raus? Heute liegt die Antwort in E-Mails und Dateinamen. Das skaliert nicht, es wird zu einem Datenproblem.
USDseal löst das mit sechs Terminal-Befehlen: init, sign, verify, inspect, export, merge. Damit lässt sich eine USDZ versiegeln, prüfen, als gefilterte Tochter-Version exportieren und bei Bedarf wieder mit dem 3D-Master zusammenführen.
Die Signatur basiert auf Ed25519, dem gleichen Standard, den Adobe, Microsoft und Google für Content Credentials nutzen. Mehr zu dem Standard bei der Bundesdruckerei.
USDseal ist kein DRM, kein PLM-Ersatz. USDseal macht Herkunft nachweisbar — forensisch, nicht restriktiv.
USDZ-Signierung + Herkunftsnachweis: aktueller Stand, nächste Schritte
Der Inspector ist heute schon nutzbar, direkt kostenlos und im Browser. Die USDseal-CLI v0.2 läuft bei ersten Testkunden in echten Lieferketten. Was als nächstes kommt: USDseal v0.3 bringt die vollständige kryptografische Signaturprüfung direkt im Browser. Danach folgt der Trust-Layer — Timestamp Authority, Public Key Registry, Audit Trail — damit Provenance nicht nur im Asset sitzt, sondern auch extern nachweisbar ist.
Das größere Bild dahinter: USDZ-Dateien werden in den nächsten Jahren die Infrastruktur des B2B-Vertriebs, von der CAD-Konstruktion über Marketing bis zum Kunden. Wer heute nicht weiß, was in seinen 3D-Assets steckt, hat morgen ein Compliance- und Lizenzproblem — ein Datenrechtemonster. USDseal ist einer von mehreren Bausteinen meines Unternehmens viSales zum Gesamtthema Spatial Sales Infrastructure. Wir bieten auch USDconfig (Produktkonfigurator auf USDZ-Basis) und USDbridge (NVIDIA Omniverse zu Apple-USDZ-Konverter) an.
Hat euer Unternehmen ein schlummerndes 3D-Datenrechteproblem?
Wenn in deinem Unternehmen vielleicht ein Datenrechtemonster schlummert und du dir nicht ganz sicher bist, ob ihr dieses Problem schon gelöst habt, dann biete ich ein kurzes Einordnungsgespräch an. 30 Minuten, bei einer Tasse Tee oder Kaffee.
Feedback ist wie immer willkommen, z.B. zu der Frage: Wie geht das eigene Unternehmen eigentlich mit 3D-Daten um? Bekommt ein externer Dienstleister — mit NDA — alle Daten, oder nur “Außenhüllen” eines Produkts? Und wenn eine Agentur die 3D-Datei verfeinert, wie wird diese Datei mit den Konstruktionsdaten wieder zusammengeführt?
Häufige Fragen
Was ist der USDseal Inspector und wofür wird er gebraucht?
Der USDseal Inspector ist ein kostenloses, browserbasiertes Werkzeug, das den Inhalt einer USDZ-Datei sichtbar macht — Geometrie, Texturen, Materialien und USD-Metadaten wie defaultPrim oder upAxis. Er richtet sich an alle, die eine 3D-Datei von einer Agentur oder aus der eigenen Konstruktion bekommen und wissen wollen, was tatsächlich darin steckt, bevor sie diese z.B. auf der Website oder Messe einsetzen. Keine Installation, kein Upload, keine 3D-Kenntnisse nötig.
Verlässt meine USDZ-Datei beim Prüfen den eigenen Rechner?
Nein. Der Inspector läuft vollständig lokal im Browser als reine HTML-Datei — offline nutzbar, ohne Server, ohne Upload, ohne Telemetrie. Das war besonders für Kunden aus AeroSpace & Defence wichtig, die sensible 3D-Daten grundsätzlich nicht extern verarbeiten dürfen. Der Report lässt sich anschließend lokal als PDF speichern.
Was ist der Unterschied zwischen dem USDseal Inspector und USDseal selbst?
Der Inspector ist das kostenlose Analyse-Werkzeug: Er liest jede USDZ-Datei aus, auch ohne USDseal-Signatur. USDseal dagegen ist der Werkzeugkasten, der eine USDZ-Datei mit einem kryptografischen Herkunftsnachweis auf Basis von Ed25519 signiert — wer sie erstellt hat, aus welchen Bestandteilen sie besteht und ob sie seit der Signatur verändert wurde. Bei signierten Dateien zeigt der Inspector zusätzlich diese Provenance-Angaben an.
Was ist der Unterschied zwischen der Standard- und der Advanced-Version des Inspectors?
Ab Version 0.28 gibt es zwei Varianten: Standard ist schlank und vollständig offline-fähig, gedacht für Audit und Compliance-Prüfungen. Advanced ergänzt das um einen optionalen 3D-Preview der USDZ-Datei direkt im Browser. Beide Varianten prüfen dieselben Geometrie-, Textur- und Metadaten-Angaben sowie die AR-Quick-Look-Kompatibilität nach Apples 21-Regel-Spezifikation.
Was passiert, wenn ich eine USDZ-Datei ohne bekannte Herkunft von einer Agentur bekomme?
Genau hier entsteht rechtliches Risiko: Wer eine 3D-Datei ohne Angaben zu Texturen, Materialien und deren Lizenzen z.B. auf der eigenen Website oder Messe einsetzt, kann haften, ohne es zu wissen. Der Inspector macht den Inhalt der Datei sichtbar, USDseal macht ihre Herkunft zusätzlich nachweisbar. Wer unsicher ist, ob im eigenen Unternehmen ein solches Datenrechteproblem schlummert, kann dazu ein kurzes Einordnungsgespräch mit viSales vereinbaren.
