USDseal: Echtheitssiegel & Lineage für 3D-Assets

Auf einen Blick

USDseal verbindet jedes USDZ-Asset mit einem signierten Herkunftsnachweis: wer es erstellt hat, aus welchen Bestandteilen es besteht, welche Lizenzen gelten, was freigegeben ist — und ob die Datei seit der Signatur verändert wurde.

Der Ausgangspunkt ist kein technisches Problem, sondern ein Vertriebs- und Compliance-Problem: Bevor eine 3D-Datei an Agentur, Messe oder Kunde rausgeht, muss klar sein — woher kommt das Modell, welche Version ist freigegeben, welche Komponenten dürfen weitergegeben werden? Heute liegt diese Antwort in Projektdokumenten, E-Mails und Dateinamen. Das skaliert nicht.

 

 

Das Problem: Herkunft löst sich beim Weiterreichen auf

3D-Assets entstehen heute selten an einer Stelle. CAD-Daten kommen aus AutoCAD, NX oder SolidWorks. Texturen aus Asset-Bibliotheken oder externen Quellen. Materialien aus DCC-Tools oder NVIDIA Omniverse. Die fertige USDZ wandert dann durch Marketing, Vertrieb, Außendienst, Partner, Kunden — und wird dort weiterbearbeitet, gekürzt, in Apps und Konfiguratoren eingebunden.

Sobald das Asset einmal die Hand wechselt, ist seine Herkunft praktisch weg. Wer das Modell ursprünglich gebaut hat, welche Texturen aus welcher Quelle stammen, welche Komponenten unter NDA stehen und welche frei vermarktbar sind — all das hängt an Dokumenten, Mails und Erinnerung. Im Streitfall: lange Suche, Personalfluktuation, schwache Beweislage.

USDseal löst genau diese Lücke — direkt im Asset, ohne externe Datenbank.

Zwei wiederkehrende Schmerzpunkte aus B2B-Pipelines

Compliance-Risiko: Eine Textur aus einem NDA-geschützten Zulieferer-Datensatz landet in einer öffentlichen AR-App. Zwei Jahre später taucht die Frage auf — woher stammt sie, hätte sie raus dürfen? Mit USDseal trägt jede Datei ihr Inventar plus Lizenzkette als Teil des Assets.

Master-Tochter-Drift: Marketing fragt nach reduzierten Versionen, Messe nach kompakteren Modellen. Jeder Export erzeugt eine Tochter-Datei. Im Streitfall weiß niemand mehr, welche Tochter aus welchem Master gefiltert wurde. Mit USDseal sind Master und Tochter explizit verknüpft, klassifiziert und signiert — inklusive Receipt darüber, was beim Export entfernt wurde.

Was USDseal konkret leistet

USDseal stempelt jede USDZ mit einem signierten Manifest und stellt sechs Pipeline-Operationen bereit:

  • init — Manifest aus Projekt-Konfiguration erzeugen, Bestandteile inventarisieren
  • sign — Manifest mit Ed25519 / COSE_Sign1 signieren und Asset versiegeln
  • verify — Hash-Kette, Signatur und Komponenten-Inventar prüfen
  • inspect — ZIP-Inhalt gegen Inventar abgleichen, Diskrepanzen sichtbar machen
  • export — Tochter-USDZ nach Klassifikation filtern (z.B. nur marketing-Anteile) plus Receipt
  • merge — Pfade aus überarbeiteter Tochter kontrolliert in den Master zurückführen

Vier Antworten, die das Asset selbst trägt:

  • Herkunftsnachweis — Aussteller, Erstellungszeitpunkt, Bestandteilliste pro Datei.
  • Lizenznachweis — pro Komponente Quelle, Lizenz und Freigabestatus.
  • Manipulations-Check — jede Veränderung an Inhalten oder Manifest wird sichtbar.
  • Lineage — Master und Tochter sind verknüpft, mit Filter-Receipt beim Export.
Technische Details (für alle, die es genau wissen wollen)

USDseal nutzt zwei Embed-Ebenen direkt im USDZ-Container: einen kompakten Pointer in den OpenUSD-customData auf dem Stage-Root (überlebt Roundtrips durch Maya, Blender, Reality Composer) plus ein vollständiges Manifest unter credentials/usdseal-manifest.json im ZIP. Beide Ebenen sind durch SHA-256-Hashes verkettet.

Signatur: Ed25519 als Algorithmus, COSE_Sign1 als Container — die offizielle Empfehlung der C2PA-Initiative (Adobe, Microsoft, BBC, Google) für Content Credentials. USDseal-Manifeste sind als Superset des C2PA-Standards aufgebaut: USDZ-spezifische Felder ergänzen ein C2PA-konformes Manifest, ohne es zu brechen.

Verifikation: drei Hard-Checks bei verify — Hash-Kette (customData ↔ Sidecar), Signatur über das Manifest, Komponenten-Hashes (jedes ZIP-Member gegen Inventar). Treffer → exit 0. Bruch → spezifischer Exit-Code mit Diagnose-Output.

Trust-Modell heute: Self-signed mit lokalem Aussteller-Key, eigene Trust-Liste je Projekt. Eine zentrale Public-Key-Registry und ein verifizierbarer Audit-Trail sind als Trust-Server-Schicht in Vorbereitung (siehe Ausblick).

Was wird signiert — was wird geprüft

Im Manifest verankert Bei verify geprüft
Aussteller (Person, Organisation, Public Key) Signatur über das Manifest (COSE_Sign1 / Ed25519)
Asset-Inventar (jede Komponente mit SHA-256) Hash jedes ZIP-Members gegen Inventar
Lizenz pro Komponente (Quelle, Geltungsbereich) Hash-Kette zwischen customData und Sidecar
Klassifikation (z.B. marketing, cad, confidential) Schema-Validität und Ablaufdatum (optional Hard-Fail)
Lineage-Verweis (Master ↔ Tochter, Export-Receipt) Komponenten-Manipulation sofort erkennbar

Selbst prüfen — der USDseal Inspector im Browser

Der USDseal Inspector ist die offene Browser-Seite des Werkzeugs. Datei reinziehen, lesen, Entscheidung treffen — kostenlos, ohne Login, ohne Upload. Inspector funktioniert für jede USDZ, auch ohne USDseal-Stempel:

  • Diagnose-Modus für jede USDZ — Geometrie, Texturen, Auflösung, AR-Quick-Look-Kompatibilität, dokumentierte Quellen.
  • Verifikations-Modus für gesiegelte USDZ — Aussteller, Zeitstempel, Versions-Spur, Manipulations-Check.
  • Privacy by Architecture — kein Backend, keine Telemetrie. Die Datei verlässt den Rechner nicht. Lokal speicherbar für Offline- und Air-Gapped-Nutzung in geschlossenen Werknetzen.

Damit können CMO, CSO und CAD-Verantwortliche jede eingehende USDZ vor der Freigabe selbst prüfen — und sehen, wo Lücken sind, bevor das Asset an Agentur, Messe oder Kunden geht.

Inspector öffnen

Aktueller Status: Erste Testkunden

USDseal ist als CLI in Version 0.2 lauffähig — sechs Kommandos bilden den vollständigen Pipeline-Zyklus aus Engineering-Master bis Tochter-USDZ ab. Nach interner Erprobung an realen Industrie-Assets läuft aktuell die Phase mit ersten Testkunden — gezielt ausgewählt, um den Ablauf in echten Lieferketten zu validieren, bevor das Werkzeug breiter verfügbar gemacht wird.

Ausblick: Vom CLI-Werkzeug zum Trust-Layer

Die heutige CLI-Version ist der Einstiegspunkt — bewusst klein, lokal, ohne Server-Abhängigkeit. Der Wert von Provenance-Infrastruktur entsteht im Netzwerk. Drei Bausteine sind in Vorbereitung:

Timestamp Authority — rechtssichere Zeitstempel, die unabhängig vom Aussteller beweisen, wann ein Asset signiert wurde.

Public Key Registry — verifizierbare Zuordnung “Dieser Public Key gehört zur viSales GmbH” oder zu jedem anderen Aussteller, der sich öffentlich authentifiziert.

Audit Trail — strukturierter, nachweisbarer Verlauf von Signaturen, Exporten und Merges für Compliance-Anforderungen.

Auf längere Sicht ist auch eine Anbindung an KI-gestützte Asset-Workflows vorgesehen — damit Provenance-Information nicht nur Menschen, sondern auch automatisierten Pipelines zur Verfügung steht. Konkrete Verfügbarkeit besprechen wir im Einzelfall mit Pilotkunden.

Für wen USDseal sinnvoll ist — und für wen nicht

USDseal ist dort sinnvoll, wo 3D-Assets in der Lieferkette weitergereicht werden und Herkunft, Lizenz oder Freigabestatus nachweisbar sein müssen — typischerweise in Maschinenbau, Anlagenbau und Industrie, mit klar getrennten Engineering-, Marketing- und Vertriebsprozessen. Besonders relevant ist es, wo Tochter-Versionen aus einem Engineering-Master abgeleitet werden und der Bezug zwischen Master und Tochter heute nur informell existiert.

USDseal ist kein DRM-System, kein Webshop-Schutz und kein Ersatz für ein PLM- oder PDM-System. Es löst die Provenance- und Lineage-Frage innerhalb des Assets — nicht die Verwaltung des Asset-Lebenszyklus drumherum. Wer eine vollständige Asset-Management-Datenbank sucht, braucht eine ergänzende Lösung; USDseal lässt sich darin gut einpassen.

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Ihre Lieferkette.
Wir zeigen, wie Provenance konkret aussieht.

Nicht jede Anfrage muss sofort ein Projekt sein. Oft ist es sinnvoller, gemeinsam ein konkretes Asset oder einen konkreten Workflow einzuordnen, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Ins Gespräch kommen: Schicken Sie uns ein Beispiel-Asset oder beschreiben Sie, wo Herkunft und Lineage in Ihrer Pipeline heute auseinanderlaufen. Wir schauen gemeinsam, ob und wie USDseal hilft. Ohne Pitch, bei einer Tasse Tee oder Kaffee.

Kontakt aufnehmen

USD and USDZ are trademarks of Pixar. OpenUSD is an open standard developed and maintained by the Alliance for OpenUSD (AOUSD). C2PA is a project of the Coalition for Content Provenance and Authenticity. viSales GmbH is a member of the Alliance for OpenUSD. USDseal is an independent tool developed by viSales GmbH and is not affiliated with or endorsed by Pixar, the AOUSD, or the C2PA.