Apple hat in seiner neuesten Keynote tolle neue Produkte vorgestellt, unter anderem diesen Rechner, den Mac Studio. Toller Rechner, aber sie haben auch Sachen vorgestellt, über die sie in der Keynote selbst gar nicht gesprochen haben. Und zwar im Themenbereich Augmented Reality. Und darum geht es in der heutigen Folge.
Mac Studio in AR
Fangen wir doch erstmal mit den einfachen Dingen an, mit dem Offensichtlichen. Apple stellte den Mac Studio vor. Ich habe mir erlaubt, auf der Webseite nachzuschauen. Und da gibt es einen freundlichen kleinen Link. Wenn man drauf tippt, startet die AR-Anwendung. Und dann ist auf diesem Schreibtisch hier der Rechner.
Jetzt kann man sich den sehr in Details anschauen. Von außen sieht das echt cool aus. Man erkennt vor allem oben diesen Glanz — und dieser Glanz, der sich auch im Apple-Logo spiegelt, das ist tatsächlich die Helligkeitsverteilung hier im Raum. Das ist nicht nur irgendwie überlegt, sondern Apple nimmt das Videobild aus der Kamera und schaut sich die Szene an: wie ist die Lichtsituation von rechts, von links, wie ist die Farbsituation — und gestaltet daraus eine optimale Beleuchtungsumgebung.
Alle Details, alle Anschlüsse sind nicht nur eine Grafik, sondern jeder Stecker kann man einzeln mit der Kamera reinfahren und im Detail anschauen. Und wenn man reinfahrend mit dem iPad als Kamera — hinten drin ist schwarz. Aber aus dem richtigen Blickwinkel kann man da noch was erkennen: am anderen Ende sieht man ein Stück Platine. Genau genommen den Slot, wo man die Fotospeicherkarten reinschiebt.
HEIF-Texturen und das neue Dateiformat
Das ist alles, was man sich erstmal anschauen kann. Spaßig sind aber die Dinge, wenn man die Datei herunterlädt und analysiert. Das geht, weil diese Datei im Format USDZ ist. Und wenn man reinschaut, kann man feststellen: Apple hat mit dieser Datei ein paar neue Funktionen eingesetzt.
Eine neue Funktion ist dabei das neue Dateiformat für Bildinformationen. Diese Texturen sind jetzt nicht mal mehr JPEGs, sondern da haben sie ein ganz neues, spannendes Format verwendet — das heißt HEIF. Das wird schon seit einiger Zeit von Apple eingesetzt für den Themenbereich Fotokomprimierung auf dem iPhone — ursprünglich von Nokia entwickelt, inzwischen Teil des MPEG-Konsortiums.
Und dieses Dateiformat hat noch eine Besonderheit: es kann nicht nur Standbilder, sondern ähnlich wie GIFs auch Animationen — kurze Videosequenzen aufnehmen und wiedergeben. Das nennt sich auf dem iPhone auch Live-Foto. Mit diesem Format kann man also mehr machen als nur eine statische Grafik auf eine Oberfläche zu packen. In dem Mac-Studio-Modell ist das noch nicht umgesetzt worden — aber dazu kommen wir gleich.
Animiertes Keynote-Logo und Portaleffekt
Es gibt noch ein zweites Modell, was mit dieser Apple-Keynote vorgestellt worden ist — das ist im Reality-Dateiformat, dem speziellen kopiergeschützten Dateiformat, wo Apple sich nicht hinter die Karten schauen lässt. Wir nutzen das für verschiedene Kundenprojekte, wenn es zum Beispiel um Konstruktions-3D-Daten geht, wo ein Auftraggeber nicht möchte, dass jemand in die Daten schauen kann.
Und in dieser Videodatei — aufgenommen vor einem der historischen Gebäude in Velbert-Langenberg — ist das animierte Apple-Logo, das zur Bewerbung des Events diente. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass da vorne Leuchtstrahlen rauskommen. Das sind animierte Texturen. Und nochmal daran denken: das gerade erwähnte HEIF-Dateiformat erlaubt es, Animationen und kurze Videosequenzen in Texturen einzuarbeiten.
Eine andere Besonderheit haben sie auch eingebaut: Ich nenne es jetzt mal Unsichtbarkeit. Wenn man dieses Apple-Logo mit der Kamera reinfährt, ist man eigentlich an der Stelle, wo es von außen schon gar nichts mehr zu sehen gibt. Apple ist in der Lage, mit der neuesten Version des Reality Composers solche Dateien auszugeben, die man von außen nicht sehen kann — aber wenn man drin ist, ist es mehr zu sehen als von außen. Der eine oder andere kennt sowas auch als Augmented Reality Portaleffekte.
Reality Converter Update
Apple hat für Augmented Reality-Funktionen zwei Software-Systeme. Das eine ist der Reality Converter — der erlaubt es mir, eine 3D-Datei aus einer Bearbeitungssoftware durchzuschicken und am Ende eine AR-fähige USDZ-Datei herauszubekommen. Recht simpel. Dieser Reality Converter war zuletzt vom Softwarestand 2019 — schon ein bisschen betagt.
Da ist jetzt mit der Apple Keynote, kurz danach, so ganz nebenbei, ein Software-Update rausgekommen. Der hat einen Sprung von drei Jahren getan. Und da gibt es jetzt einen kleinen Schalter, der heißt iOS 12. Damit kann man AR-Dateien einerseits erzeugen, die noch kompatibel sind mit iOS 12 und älter — also alle möglichen alten iPhones — oder man kann Dateien exportieren, die neuer sind.
Bisher ist es so, dass Apple AR von iPhone 6s an bis zum aktuellsten alles abdeckt — alle Dateien auf sechs Jahre alten Handys verfügbar. Da zeigt sich ganz deutlich: Apple ist dabei, von dieser Rückwärtskompatibilität abzuweichen und in Zukunft zu sagen, iOS 12 ist die harte Kante für alle neueren AR-Funktionen.
Das zweite Software-Tool ist der Reality Composer. Damit kann man einzelne 3D-Elemente bearbeiten, in dem Composer zusammenstellen, Animationen und Logik hinzufügen. Der ist noch auf dem Stand 2019 — da warten wir noch aufs Update. Aber es zeigt sich schon mit diesen ersten neuen Features, was als nächstes noch alles kommen kann. Es bleibt weiter entspannt.