Rundgang im Heinz Nixdorf Forum Teil II, KopfKino Ep. 84

Rundgang im Heinz Nixdorf Forum Teil II — KopfKino Ep. 84

„2.000 Lochkarten gleich 160 Kilobyte. Die MicroSD-Karte in meiner Kamera hat heute einen Terabyte. Das steht hier alles nebeneinander — und dann wird einem klar, was Moore’s Law wirklich bedeutet.”

Kai Heddergott und ich im Heinz-Nixdorf-Museumsforum Paderborn — Sommerspecial Teil II:

  • Datenträger von Lochkarte bis MicroSD: die vollständige Evolutionslinie
  • Robotron: DDR-Datenverarbeitung und der Vergleich mit dem Westen
  • Cray-Supercomputer: Statussymbol, The Last Starfighter und Moore’s Law
  • Interview mit GF Dr. Jochen Viehoff über die Zukunft des Museums
  • Warum Datenmigration ein dauerhaftes Unternehmens- und Kulturproblem ist
Was ist der KopfKino-Podcast?

Der Talk von Kai Heddergott und Gerhard Schröder zu visueller Unternehmenskommunikation — hier als Vor-Ort-Aufzeichnung aus dem weltgrößten Computermuseum in Paderborn. Teil II des Sommerspecials, aufbauend auf Ep. 83 (Teil I mit Pressesprecher Andreas Stolte).

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Worum es geht

Der zweite Teil des NMF-Sommerspecials führt tiefer ins Museum — mit einem Fokus auf Datenträger, Ost-West-Computergeschichte und Supercomputer. Die Datenträger-Wand zeigt die vollständige Evolutionslinie: 2.000 Lochkarten für 160 Kilobyte, die erste 10-Megabyte-Festplatte (so groß wie ein Kühlschrank), bis zur MicroSD-Karte mit einem Terabyte. Das macht abstrakte Entwicklungen physisch greifbar.

Besonders prägnant: der Gegensatz zwischen dem Robotron-Rechenzentrum aus Dresden (DDR-Staatscomputer) und der Cray 2 aus den USA — beide stehen im selben Raum. Die Cray 2 war zu ihrer Zeit Weltspitze, wurde als Statussymbol in Unternehmensfoyers aufgestellt und half bei der Berechnung von Computeranimationen für The Last Starfighter. Gerhards iPhone hat heute mehr Rechenleistung.

Dazu kommt ein Thema, das sich durch viele Folgen zieht: Datenmigration als dauerhaftes Problem — für Unternehmen, Archive und Kultureinrichtungen. Wenn Dateiformate wie PICT vom alten Mac oder Screenshots aus World of Warcraft 2004 plötzlich nicht mehr lesbar sind, geht kulturelles Erbe verloren. Das Nixdorf Museum kämpft aktiv dagegen.

Den Abschluss bildet ein Interview mit GF Dr. Jochen Viehoff über die Zukunft des Museums und des Computers.

Kapitel

  • 0:00 — Intro: Rückblick auf Teil I, Andreas Stolte und Heinz Nixdorf
  • 5:00 — Datenträger-Wand: Lochkarte bis MicroSD — Kapazitäten im Vergleich
  • 20:00 — Datenmigration: PICT, BMP, TIFF und warum Dateiformate sterben
  • 35:00 — Robotron: DDR-Rechenzentrum aus Dresden im Museum
  • 45:00 — Cray 2: Supercomputer als Statussymbol und Moore’s Law live
  • 55:00 — The Last Starfighter, Cray XMP und Computeranimation 1984
  • 1:05:00 — Interview Dr. Jochen Viehoff: Zukunft des Museums und des Computers

Erwähnt

Typische Fragen

Was zeigt die Datenträger-Wand im Nixdorf Forum?

Die Wand zeigt die vollständige Entwicklung von Lochkarten (2.000 Stück = 160 Kilobyte) bis zur MicroSD-Karte mit einem Terabyte — physisch nebeneinander. Diese Gegenüberstellung macht das Moore’sche Gesetz greifbarer als jede Grafik, weil man die Größenunterschiede mit eigenen Augen sieht.

Was ist der Cray-Supercomputer und was hat er mit The Last Starfighter zu tun?

Die Cray 2 war ein Supercomputer der 1980er Jahre — als Statussymbol in Unternehmensfoyers aufgestellt, für mehrere Millionen Dollar. Der Vorgänger Cray XMP wurde 1983 für Computeranimationen im Science-Fiction-Film The Last Starfighter eingesetzt und war damit einer der ersten Filme überhaupt mit computergenerierter Grafik.

Warum ist Datenmigration ein dauerhaftes Problem für Unternehmen?

Wenn Dateiformate wie PICT vom alten Mac oder Screenshots aus World of Warcraft 2004 nicht mehr lesbar sind, geht Information verloren — für Unternehmen, Archive und Kultureinrichtungen gleichermaßen. Das Nixdorf Museum kämpft aktiv dagegen, indem es alte Hardware funktionsfähig hält.

Transkript (KI-bereinigt)

Willkommen bei KopfKino, dem Podcast mit Gerhard Schröder und Kai Heddergott. Dies ist der zweite Teil unserer Sommerspecial-Episode. Wir sind im Heinz-Nixdorf-Museumsforum und schauen uns das größte Computermuseum der Welt ganz genau an.

Im ersten Teil haben wir Andreas Stolte getroffen, den Pressesprecher des Museums, der uns über die Geschichte und vor allem über Heinz Nixdorf informiert hat — dem deutschen Computerpionier, ohne den so einiges nicht möglich gewesen wäre. Im zweiten Teil führen wir unseren Rundgang fort und treffen Dr. Jochen Viehoff, den Geschäftsführer, der uns über künftige Planungen und die Zukunft des Computers Auskunft gibt.

Datenträger: von Lochkarte bis MicroSD

Ich stehe hier vor der Datenträger-Wand. Wenn man von oben anfängt: Lochkarten und Lochstreifen. 2.000 Lochkarten gestapelt — das entspricht 160 Kilobyte. Jede leere Textdatei heute ist ein Vielfaches davon.

Und dann geht es runter: Festplatten, Bandkassetten, Datasette, verschiedene Disketten — 8 Zoll, 5,25 Zoll, 3,5 Zoll. Die Superdisk kenne ich gar nicht. Optische Speicher von CD-ROM bis DVD. USB-Stick. Und womit wir heute aufnehmen: eine MicroSD-Karte. Die ersten Festplatten ab 1983 hatten 10 Megabyte. Mein Mac Plus hatte 1988 eine externe 20-MB-Platte. Heute kriegen wir in eine 3,5-Zoll-Festplatte wunderbar 16 Terabyte. Oder in eine fingernagelgroße MicroSD-Karte einen Terabyte.

Datenmigration als dauerhaftes Problem

Das Spannende an Datenbeständen: man ist permanent damit beschäftigt, auf den nächsten Datenträger zu migrieren. Und dann ist die Frage: wird das Dateiformat auf dem neuen System überhaupt noch gelesen? Früher TIFF, BMP, PICT beim Apple. Dann JPEG, PNG. Wenn ich heute alte Screenshots vom alten Mac anschauen will, brauche ich erstmal noch einen alten Mac. Ich hatte das Problem mit Screenshots aus World of Warcraft 2004, die nicht in die iCloud-Library wollten.

Für Unternehmen, Archive, Kultureinrichtungen ist das ein faktisches Problem. Wenn wir Computerspiele künftig gar nicht mehr spielen können — weil der Datenträger nicht mehr ansteuerbar ist oder die Kopierschutz-Server abgeschaltet wurden — geht kulturelles Erbe verloren.

Das Nixdorf Forum macht es anders: alte Konsolen stehen unten im Foyer. Väter kommen rein mit Söhnen und sagen „hol mich nachher wieder ab.” Das haben wir heute selbst erlebt.

Robotron: DDR-Rechenzentrum aus Dresden

Wir haben hier ein Robotron-System, das früher in Dresden stand. Robotron war die Staatsmarke der DDR für Computer — das staatliche Nixdorf, wenn man so will. Wir sehen Bandmaschinen, Drucker, Bildschirmarbeitsplätze, Röhrenmonitore, große Schränke mit Rechnern. Auf dem Bildschirm läuft ein Programm für „positive Bilanzen” — der Fünfjahresplan lässt grüßen. Die Leistungsfähigkeit der Robotron-Geräte war ein bisschen hinterher, auch wegen eingeschränkten Zugangs zu Bauteilen.

Größer könnte der Gegensatz nicht sein: 180 Grad drehen — und wir stehen vor einer Cray.

Cray 2: Supercomputer als Statussymbol

Die Cray 2 — dieses runde Ding. Laut Geschichten standen die früher manchmal in Unternehmensfoyers. Motto: wir können es uns leisten. 2 Gigabyte RAM, 2 Gigaflops. Für mehrere Millionen US-Dollar anzuschaffen. Heute hat mein iPhone mehr Rechenleistung.

Der Cray 1 von 1976 hatte 160 Millionen Operationen pro Sekunde. Der Cray XMP 1983 hatte 800 Millionen — und wurde für Computeranimationen in The Last Starfighter verwendet. Einer meiner Jugendlieblingsfilme. Er ist nicht gut gealtert — weder die Grafik noch die Story. Aber damals war ich hin und weg.

The Last Starfighter: in einem Mobile Park steht ein Videospielautomat, der eigentlich ein Rekrutierungsautomat für Aliens ist. Der Protagonist spielt das Ding durch, wird abgeholt und muss einen echten Kampf führen. Dieselbe Story taucht in Ready Player One wieder auf. Und tatsächlich: es gibt einen echten Rennfahrer, der über Konsolenspiele rekrutiert wurde — aus England. Das kommt in die Shownotes.

Das packen wir noch in die Shownotes.

Häufige Fragen

Was zeigt die Datenträger-Wand im Nixdorf Forum?

Die Datenträger-Wand im NMF zeigt die gesamte Evolutionslinie von Lochkarten (2.000 Stück = 160 Kilobyte) über 8-Zoll-Disketten, Datasette, Festplatten, CD-ROM bis zur MicroSD-Karte mit heute 1 Terabyte. Die Dimensionen werden durch physische Exponate greifbar — und verdeutlichen, welche Herausforderung die Datenmigration über Generationen von Speichermedien für Unternehmen und Archive bedeutet.

Was war Robotron und warum steht ein DDR-Rechner im Nixdorf Forum?

Robotron war die staatliche DDR-Computermarke — das 'staatliche Nixdorf', wie Kai es nennt. Im Museum steht ein Robotron-Rechenzentrum aus Dresden. Es zeigt, dass auch die DDR industrielle Datenverarbeitung in ähnlichen Dimensionen betrieb — allerdings mit technischem Rückstand und eingeschränktem Zugang zu Bauteilen. Der Gegensatz zur benachbarten Cray-Maschine aus den USA könnte kaum größer sein.

Was ist die Cray 2 und warum ist sie im Museum?

Die Cray 2 ist ein Supercomputer der 1980er Jahre — ein kreisrundes Gerät, das in Unternehmensfoyers als Statussymbol aufgestellt wurde. Mit 2 Gigaflops und 2 GB RAM war sie damals Weltspitze. Der Cray XMP-Vorgänger wurde für Computeranimationen im Film The Last Starfighter eingesetzt. Heute hat ein iPhone mehr Rechenleistung. Die Cray steht exemplarisch für den exponentiellen Sprung, den das Moore'sche Gesetz über Jahrzehnte bewirkt hat.

Wer ist Dr. Jochen Viehoff und was sagt er zur Zukunft des Museums?

Dr. Jochen Viehoff ist Geschäftsführer des Heinz-Nixdorf-Museumsforums. Im zweiten Teil des Rundgangs gibt er Auskunft über künftige Ausstellungsplanungen und seine Sicht auf die Zukunft des Computers. Das Museum versteht sich nicht nur als historisches Archiv, sondern als lebendiger Ort — Stichwort: alte Konsolen im Foyer, an denen Väter mit Söhnen spielen.

Was hat The Last Starfighter mit Computergeschichte zu tun?

Der Science-Fiction-Film The Last Starfighter (1984) verwendete für seine Computeranimationen einen Cray XMP — und war damit einer der ersten Filme überhaupt mit computergenerierter Grafik in größerem Maßstab. Die Story — ein Jugendlicher wird per Videospiel als Kampfpilot rekrutiert — griff das Muster auf, das später in Ready Player One und realen Gamification-Konzepten weiterbuchstabiert wurde. Ein echter Rennfahrer wurde tatsächlich über Konsolenspiele rekrutiert.