Apple Vision Pro und OpenUSD in 2023 & 2024 — Mit Thomas Riedel, Thomas Kumlehn

Apple Vision Pro und OpenUSD in 2023 & 2024 — USD-Updates mit Thomas Riedel und Thomas Kumlehn

„Von beiden Enden beginnt die Diskussion — die VR-Nerds fragen sich, was Apple da macht, und die App-Entwickler fragen sich, was sie jetzt mit 3D machen sollen.”

Fast 90 Minuten Crossover zwischen dem Spacious Realities Podcast und USD-Updates: Thomas Riedel, Gerhard Schröder und Thomas Kumlehn ziehen Bilanz:

  • Apple Vision Pro 2023: Ankündigung, WWDC, Designphilosophie und warum Tim Cook diesmal früh öffentlich sprach
  • Spatial Video mit dem iPhone 15 Pro — was technisch dahintersteckt und warum das ein bewusster Vorgriff auf die Vision Pro ist
  • OpenUSD, Nvidia Omniverse und die Alliance for OpenUSD — warum Siemens auf der CES in Las Vegas über ein Dateiformat spricht
  • Der Unterschied zwischen Pixar-Animation, Apple-AR und Nvidia-Industrial-Metaverse — ein Format, drei sehr unterschiedliche Ansätze
  • Warum Apples bewusst niederschwelliger Einstieg ins Spatial Computing der richtige Schritt war
Was sind USD-Updates?

Kurze Videos und Talks von Gerhard Schröder rund um OpenUSD, USDZ und Augmented Reality im Apple-Universum — seit 2022.

Alle USD-Updates

Worum es geht

Das Gespräch war als Crossover-Special geplant: Thomas Riedel für seinen Spacious Realities Podcast, Gerhard für USD-Updates. Ein Mikrofon-Problem verhinderte die Audio-Version — aber Gerhard veröffentlicht die fast 90-minütige Uncut-Aufzeichnung, weil der Inhalt zu gut ist, um ihn wegzulassen.

Thomas Riedel führt chronologisch durch das Apple-Jahr 2023: vom KI-Hype über die ersten Gerüchte zum Headset, die WWDC-Ankündigung am 5. Juni, das iPhone 15 Pro mit Spatial Video bis zur Alliance for OpenUSD, der Siemens-Chef Roland Busch auf der CES-Bühne in Las Vegas beitrat. Gerhard und Thomas Kumlehn liefern die technischen und strategischen Einordnungen: Was bedeutet ein Dateiformat für die Industriewelt? Warum haben Apple, Nvidia und Pixar denselben Standard, aber sehr unterschiedliche Ansätze?

Das zentrale Thema: Apples bewusste Entscheidung, Spatial Computing nicht als tiefen VR-Cyberspace zu positionieren — Fenster im Raum statt fremde Welten. Gestensteuerung und Eye-Tracking statt komplexe Interfaces. Dieser Ansatz enttäuschte zunächst die VR-Veteranen — war im Rückblick aber völlig logisch und die einzige Möglichkeit, die große Masse der Menschen zu erreichen.

Kapitel

  • 0:00 — Intro: Warum diese Aufzeichnung trotz Audio-Problem veröffentlicht wird
  • 4:00 — Rückblick März 2023: erste Hinweise auf das Apple Headset
  • 10:00 — WWDC 5. Juni: Apple Vision Pro statt Apple Reality
  • 20:00 — Warum Apple bewusst niederschwellig ins Spatial Computing einsteigt
  • 32:00 — iPhone 15 Pro und Spatial Video: Kamera für die Apple Vision Pro
  • 45:00 — Nvidia USD, Apple USDZ und die Alliance for OpenUSD
  • 58:00 — Siemens auf der CES: warum ein Konzernchef über ein Dateiformat spricht
  • 1:10:00 — Zubehör, Schutzfolien, alternative Headsets: HoloKit X und Z-Box
  • 1:22:00 — Ausblick 2024: Apple Vision Pro Release und was danach kommt

Erwähnt

Transkript (KI-bereinigt)

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von USD Updates.

Das hätte eigentlich ein wundervolles Crossover-Special sein sollen zwischen dem Spacious Realities Podcast und USD Updates. Geplant war, eine Audio-Fassung aufbereitet von Thomas Riedel zu machen und die Uncut-Fassung des Video-Calls hier auf diesem Kanal.

In der Umsetzung gibt es ein kleines Problem. Thomas Riedel hat leider nicht sein richtiges Mikrofon eingeschaltet. Da wir fast 90 Minuten super Infos zu dem Thema USD im Jahr 2023, Ausblick auf 2024 und ganz viel zu Apple Vision Pro darüber geredet haben, gebe ich euch die Chance es trotzdem anzuhören und anzuschauen.

Am 16.01. gibt es die Folge Nummer 5 von USD Updates — ein Livestream mit Michael Stock.


Apple Vision Pro: Ankündigung und Philosophie

Hallo und herzlich willkommen zum Spatial Realities Podcast. Mein Name ist Thomas Riedl.

Heute soll es im Speziellen um den Apple-Kosmos gehen, denn es steht der Release der im letzten Jahr angekündigten Apple Vision Pro an. Herzlich willkommen Gerhard Schröder und Thomas Kumlehn.

Apple hat jahrelang immer die Produkte entwickelt, nichts gesagt — und dann erst, als es fertig war und schon in den Lagern, kurz vor Endverbraucher verschicken, dann erst darüber gesprochen. Hier hat Tim Cook schon Jahre vorher in Interviews und Pressemitteilungen etwas gemacht, was man als die Konkurrenz niedrig halten bezeichnen könnte.

Mark Gurman meinte, das Gerät solle Apple Reality heißen. Im Nachhinein lustig, wie fest er davon überzeugt war. Das Apple Gerät hieß natürlich nicht Apple Reality, sondern Apple Vision Pro.

Warum haben die das angekündigt und nicht sofort released? Ein Stück Hardware ist das eine, aber viel wichtiger ist, man braucht die Software, damit Leute das Ding auch haben wollen. Ein wichtiger Punkt war ja damals nicht das erste iPhone für sich, sondern ein Jahr später, dass sie den App Store rausbringen. Genauso wird es für Vision Pro sein.

USD, Nvidia und die Alliance for OpenUSD

Nvidia hat sein Commitment in Richtung USD schon vor Jahren verkündet. Die RTX-Grafikkarten verkaufen sich sehr gut im Industriesektor wegen der Technologie Omniverse. Alle Dateien, die im Omniverse gespeichert oder transferiert werden, sind in USD gespeichert.

Bei Apple ist es was anderes. Da geht es nicht darum, möglichst viele Grafikkarten zu verkaufen, sondern Nutzen zu bringen für den großen Endverbrauchermarkt. Deswegen war der Fokus auf Augmented Reality zuerst da.

Von Pixar, Apple, Nvidia, Autodesk und noch einer ganzen Reihe Unternehmen — alle unterstützen USD, in manchmal etwas unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Da gibt es jetzt einen Fahrplan, das in den nächsten zwei Jahren zu vereinheitlichen.

Siemens-Chef Roland Busch stand auf der Bühne der CES in Las Vegas und sprach mehrere Minuten darüber, dass Siemens jetzt der Alliance for OpenUSD beitritt. Diese Alliance läuft unter der Linux Foundation — neutral, eigenständig. Das hat inzwischen sehr große Kreise gezogen.

Spatial Video

iPhone 15 Pro mit Spatial Video: Das ist ein normales Stereo Video in einem speziellen Codec — der HVC Standard, Multi-View-Variante. Apple nutzt diesen Standard schon seit Jahren; jeder, der Live-Fotos auf dem iPhone kennt, kennt im Prinzip denselben Standard. Was so bemerkenswert ist: wir können heute schon Videos aufzeichnen, die für die Apple Vision Pro gedacht sind — mit einem einfachen Häkchen in den Einstellungen.

Warum Apple bewusst niederschwellig einstieg

Warum hat das mit dem Metaverse nicht geklappt? Weil es halt Deep VR war — in andere Welten hineinflüchten, schwierige Benutzerinterfaces, anstrengende Geräte. Apple sagt: nein, wir müssen die Leute so niedrigschwellig wie möglich abholen. Deswegen tun sie alles dafür.

Die ersten Erfahrungsberichte von Leuten, die das Ding auf der Nase hatten: wow, ich kann zaubern. Ich gucke da auf einen Button und klicke Daumen und Zeigefinger zusammen — das ist wie das Harry Potter Gefühl. Man gewöhnt sich angeblich sehr schnell dran. Eye-Tracking mit über 200 Frames per Second — das Team dahinter kommt aus Berlin, aufgekauft von Apple.

Die Technörter haben sich zunächst gewundert — das ist ja alles nur Fenster in 3D. Aber wenn man den Schritt zu weit springt, holst du die meisten Menschen nicht ab. Apple schielt nicht auf die paar Menschen, die bisher solche Geräte genutzt haben, sondern auf all die anderen Menschen.

Typische Fragen

Was verbindet Pixar, Apple und Nvidia beim Thema OpenUSD?

USD wurde 2015 von Pixar entwickelt und Open Source gestellt. Nvidia nutzt USD als Kernformat für Omniverse im Industrial Metaverse. Apple nutzt USD als Grundlage für Augmented Reality auf iPhone, iPad und Apple Vision Pro. Drei sehr unterschiedliche Ansätze — Animation, Spatial Computing, Industrial Simulation — aber ein gemeinsames Dateiformat.

Was ist die Alliance for OpenUSD (AOUSD) und warum ist Siemens dabei?

Die AOUSD stellt OpenUSD unter ein neutrales Dach — weg von Pixar hin zur Linux Foundation. Mitglieder sind unter anderem Nvidia, Apple, Pixar, Autodesk, BMW, Daimler und Siemens. Siemens-Chef Roland Busch erwähnte den Beitritt extra auf der CES-Keynote in Las Vegas — ein Zeichen, wie strategisch wichtig das Dateiformat für die Industrie geworden ist.

Was ist Spatial Video und warum ist es für die Apple Vision Pro relevant?

Das iPhone 15 Pro kann stereoskopische 1080p-Videos im HEVC-Multi-View-Format aufnehmen. Wer heute mit dem iPhone 15 Pro filmt, hat damit bereits Content für die Apple Vision Pro — ein bewusster Vorgriff von Apple, damit Nutzer schon vor dem Headset-Kauf Content für die Brille produzieren.

Häufige Fragen

Was war das Besondere an der Apple Vision Pro Ankündigung auf der WWDC 2023?

Apple hatte jahrelang geschwiegen — hier sprach Tim Cook selbst öffentlich und früh darüber. Das Gerät hieß nicht Apple Reality wie spekuliert, sondern Apple Vision Pro. Es wurde angekündigt, nicht direkt released, mit einem halben Jahr Vorlauf — damit Entwickler Apps bauen konnten, analog zum App Store ein Jahr nach dem ersten iPhone.

Was ist Spatial Video und warum ist es für die Apple Vision Pro relevant?

Das iPhone 15 Pro kann stereoskopische 1080p Videos aufnehmen. Der verwendete HEVC-Standard existiert schon lange, Apple nutzt ihn hier für 3D-Video. Wer heute mit dem iPhone 15 Pro filmt, hat bereits Content für die Apple Vision Pro — ein bewusster Vorgriff auf das Headset.

Was verbindet Pixar, Apple und Nvidia beim Thema OpenUSD?

USD wurde 2015 von Pixar entwickelt und Open Source gestellt. Nvidia nutzt USD als Kernformat für Omniverse, das Industrial Metaverse. Apple nutzt USD als Grundlage für Augmented Reality auf iPhone, iPad und Apple Vision Pro. Drei sehr unterschiedliche Ansätze — Animation, Spatial Computing, Industrial Simulation — aber ein gemeinsames Dateiformat.

Was ist die Alliance for OpenUSD (AOUSD)?

Die AOUSD stellt OpenUSD unter ein neutrales Dach — weg von Pixar hin zur Linux Foundation. Unternehmen wie Nvidia, Apple, Pixar, BMW, Daimler und Siemens sind Mitglieder. Siemens-Chef Roland Busch erwähnte den Beitritt extra auf der CES-Keynote in Las Vegas. Ziel: die verschiedenen Entwicklungsstränge zu vereinheitlichen.

Warum war Apples niederschwelliger Ansatz beim Spatial Computing der richtige?

Weil ein zu großer Sprung die meisten Menschen überfordert. Apple wählte bewusst Fenster im Raum statt Immersion in fremde Welten. Keine komplexen Interfaces, keine tiefen VR-Welten, sondern die eigene Realität erweitert. Dieser Ansatz enttäuschte zunächst VR-Veteranen — war aber im Rückblick völlig logisch.