Xanadu und das Docuverse: Das Web, das wir nicht gebaut haben

Xanadu – viSales

Xanadu, klar, das ist der wunderbare Musikfilm mit der Olivia Newton John und Gene Kelly, doch mir geht es um eigentlich um das “andere Xanadu” von Ted Nelson…

Xanadu ist ein 1960 gegründetes Hypertext-Projekt von Ted Nelson; durch das nach dem legendären Ort Xanadu benannte Projekt sollte das Docuverse, eine universale Bibliothek mit zahllosen miteinander vernetzten Dokumenten, entstehen.

Das Hypertext-Konzept von Xanadu ist vergleichsweise komplex; beispielsweise ist ein Transklusions-Mechanismus vorgesehen, mit dem Teile aus anderen Objekten nahtlos in ein Dokument eingebunden werden können. Darüber hinaus war in Xanadu auch immer ein Abrechnungsmodell vorgesehen, ähnlich den neueren Ansätzen des Micropayments.

Nelsons konzeptuelle Ideen für Xanadu beeinflussten gleichermaßen Tim Berners-Lee bei der Entwicklung des World Wide Web wie auch Ward Cunningham bei seinem Wiki-Konzept.

Alle heute verbreiteten Umsetzungen des Hypertext-Konzepts sind funktionale Teilmengen von Nelsons Xanadu.

Die dauerhafte, unlöschbare Speicherung alter Versionen von Dokumenten findet man heute im Freenet/Hyphanet Peer-to-Peer-Netzwerk in Form von dessen SSK-Adressen. Es ist unklar, ob diese von Xanadu inspiriert sind.

Auf dieses Thema bin ich gestoßen, nachdem ich dies Video erneut gesehen habe und dann beim Googeln ins Rabbithole fiel…

Ist eines meiner Best-Of-Videos auf YouTube, neben Good Morning, ebenfalls mit Gene Kelly…

 

 

Dies sind kuraierter und ergänzte Zeilen eines LinkedIn-Beitrags aus dem Jahr 2025: Weitere Impulse. Es gibt auch einen monatlichen Newsletter.

Typische Fragen

Was ist Xanadu und wer hat es erfunden?

Xanadu ist ein 1960 von Ted Nelson gegründetes Hypertext-Projekt mit dem Ziel, ein universales, vernetztes Dokumentensystem namens Docuverse zu schaffen. Nelson prägte dabei Konzepte wie Transklusion – das nahtlose Einbinden von Teilen anderer Dokumente – und ein Micropayment-Abrechnungsmodell. Das Projekt beeinflusste sowohl Tim Berners-Lee bei der Entwicklung des World Wide Web als auch Ward Cunningham beim Wiki-Konzept.

Was ist der Unterschied zwischen Xanadu und dem heutigen Web?

Das heutige Web ist funktional eine vereinfachte Teilmenge von Nelsons ursprünglichem Konzept. Xanadu sah bidirektionale Links, Transklusion, unveränderliche Versionierung und ein integriertes Abrechnungsmodell vor – alles Dinge, die im World Wide Web nicht oder nur rudimentär umgesetzt wurden. Das Web ist einfacher, aber auch weniger vollständig als Nelsons Vision.

Was ist Transklusion?

Transklusion ist ein Kernkonzept aus Xanadu: Teile eines Dokuments werden direkt und nahtlos in ein anderes Dokument eingebunden – nicht als Kopie, sondern als lebendiger Verweis auf das Original. Änderungen am Originaldokument würden sich so automatisch überall dort zeigen, wo der Inhalt transkludiert wurde. Das heutige Web kennt dieses Konzept nicht nativ.

Wo findet man heute Ansätze aus Nelsons Ideen?

Die dauerhafte, unlöschbare Speicherung alter Dokumentversionen – ein weiteres Xanadu-Merkmal – findet sich heute im Freenet/Hyphanet Peer-to-Peer-Netzwerk über sogenannte SSK-Adressen. Ob diese direkt von Xanadu inspiriert sind, ist laut Artikel unklar. Ansonsten bleibt Xanadu vor allem ein historischer Referenzpunkt für das, was das Web hätte sein können.