Skill-Abo #5: Texthacks — Feedback das trifft
- Mit Claude kannst du plötzlich viel mehr machen — die Kunst ist, nur das zu tun, was wirklich Wichtig und Dringend ist.
- Vier Modi beschreiben, wie ich mit Claude arbeite: von voller Konzentration bis zum Bügel-Mode nebenbei.
- Der Skill dieser Ausgabe: Texthacks nach Anne-Kathrin Gerstlauer — strukturiertes Feedback für Texte, die kommunizieren statt nur zu informieren.
In der letzten Ausgabe: design.md — ein File, alle Skills im Markendesign
Skill-Abo #4: Konsistentes Design aus einer Datei
Eine einzige design.md steuert Farben, Tonalität und Bildsprache für alle Claude-Skills. Einmal definiert, überall konsistent — ohne dass man in jedem Prompt von vorne erklärt, wie man klingt.
Skills bauen, Artikel schreiben, Kundenprojekte stemmen — alles gleichzeitig.
Die ehrliche Antwort: Ich schaffe nicht alles. Ich habe gelernt, was ich weglasse.
Mehr können heißt erst mal mehr Chaos
Seit Dezember 2025 arbeite ich konsequent mit Claude-Skills. Vibe-Coding erlaubt es dir, Dinge zu bauen, die vor einem Jahr Entwickler-Wissen vorausgesetzt hätten. Claude-Artefakte als Dashboards. Skills als Verfahrensanweisungen. Ganze Setups, die plötzlich möglich sind.
Das Problem: In allen Fällen gilt — du machst MEHR.
Irgendwann hat mich das eingeholt. Du kannst jetzt viel machen. Die Kunst ist, das Richtige zu machen. Was Wichtig und Dringend ist.
General Patton hatte angeblich einen Tisch mit vier Feldern: Dringend und Wichtig. Wichtig, aber nicht Dringend. Dringend, aber nicht Wichtig. Keins von beidem. Seitdem stelle ich mir bei jeder neuen Idee eine Frage: Ist das wirklich beides?
Meine vier Modi mit Claude
Es hilft, bewusst zu wählen, wie intensiv du mit Claude arbeitest. Ich habe vier Modi entwickelt:
Full: Drei bis fünf Chats parallel, alle zu einer größeren Aufgabe. Häufige Taskwechsel ermüden — irgendwann bleibt dann einfach nur Pause. Spazieren gehen, ins Grüne, nicht auf den Monitor schauen. Ich habe da einen kleinen Bachlauf in der Nähe gefunden.
Medium: Zwei Chats zu unterschiedlichen, unabhängigen Themen. Mal eines ruhen lassen und dann zurückkehren.
Light: Ein Chat, nebenbei eine TV-Serie im Split-Screen. Wenn Claude meine Aufmerksamkeit braucht, Serie anhalten, weitermachen. Gerade bei Code-Sessions eine gute Wahl.
Bügel-Mode: Benannt, weil es beim Hemden bügeln nebenbei läuft. Statt Podcast oder Big Bang Theory ab und zu nachschauen, wenn Claude so weit ist.
Meine Frage an euch: Welche Modi habt ihr für euch entwickelt?
Der Skill dieser Ausgabe: Texthacks
Wer Texte schreibt, ist irgendwann zu nah dran. Man sieht nicht mehr, dass der erste Satz überflüssig ist. Man merkt nicht, dass man für sich selbst schreibt und nicht für die Zielgruppe. Man liest über drei -ung-Wörter in einem Satz hinweg, weil man das so kennt.
Genau dafür gibt es den Texthacks-Skill — eine Cowork-Implementierung des TextHacks-Frameworks von Anne-Kathrin Gerstlauer. Sie hat 20.000 Abonnenten auf Substack zum Thema Texterstellung, und sie hat zuerst ein GPT gebaut das nichts anderes macht als Feedback geben — im TextHacks-Style. Auf Nachfrage kam dann der Claude-Skill. Feedback wie von einer smarten Kollegin, die Journalistin ist und kein Blabla duldet — und die mir explizit erlaubt hat, ihn hier vorzustellen.
Das Besondere: Der Skill arbeitet in drei Ebenen, in dieser Reihenfolge — weil es keinen Sinn hat, Kommata zu korrigieren, wenn das Fundament fehlt.
Ebene 0 — Fundament: Was soll dieser Text bewirken? Schreibt der Autor für die Zielgruppe — oder für sich selbst? Wenn die Antwort unklar ist, sagt der Skill das. Direkt. „Ich weiß nicht, was dieser Text will. Du auch?”
Ebene 1 — Struktur: Steht das Wichtigste vorne? Gibt es einen Laber-Einstieg? (Test: Streich den ersten Satz — funktioniert der Text noch? Dann war er überflüssig.) Ein Thema pro Absatz? Kann man kürzen?
Ebene 2 — Sprache: Nominalstil (-ung, -heit, -keit), Füllwörter wie „auch”, „schon”, „sogar”, Passivkonstruktionen, vage Adjektive. Immer mit konkreter Fundstelle und Fix-Vorschlag — nie abstrakt.
So klingt das in der Praxis:
❌ „Es wäre empfehlenswert, die Verwendung von Nominalstil zu reduzieren.” ✅ „Drei -ung-Wörter in einem Satz. Leg die Quelle weg und schreib frei.”
So funktioniert's — die drei Ebenen im Detail
Du gibst dem Skill einen Text — E-Mail, LinkedIn-Post, Angebot, Newsletter-Abschnitt, egal was — und bekommst ein strukturiertes Feedback-Protokoll:
⚡ Kurz-Urteil (1–2 Sätze, direkt)
Ebene 0: Befund zu Ziel und Zielgruppe + ggf. konkrete Frage an dich
Ebene 1: Was an der Struktur funktioniert, was nicht — mit konkreten Stellen aus deinem Text
Ebene 2: Nur die Probleme, die wirklich vorkommen — mit Beispiel aus dem Text und Fix-Vorschlag
✅ Das läuft gut — mindestens 1–2 echte Stärken
Top 3 Sofort-Maßnahmen — die drei Dinge, die den größten Unterschied machen
Der Ton ist nicht sanft. Nicht gemein. Aber direkt: Imperative statt Konjunktiv, Du-Ansprache, kurze Sätze. Humor ist erlaubt, Blabla nicht.
Installation
.skill-Datei herunterladen- Terminal öffnen (Mac: Programme → Dienstprogramme → Terminal)
- Eingeben:
open ~/Downloads/texthacks-check.skill - Cowork zeigt einen Dialog „Zur Bibliothek hinzufügen” — bestätigen
- Neue Session starten — der Skill steht zur Verfügung
Wichtig: Doppelklick im Finder funktioniert nicht zuverlässig. Immer den Terminal-Weg nehmen.
Mein Take
Inzwischen schicke ich jeden Text zuerst durch Texthacks, bevor er rausgeht. Nicht alles — für kurze interne Notizen ist das Kanone auf Spatzen. Aber LinkedIn-Posts, Artikel-Einstiege, Angebots-Anschreiben: ja.
Was mich überzeugt hat: Die Reihenfolge der Ebenen. Viele Feedback-Tools fangen bei der Rechtschreibung an. Texthacks fängt bei der Frage an, ob der Text überhaupt das Richtige will. Das ist der Unterschied zwischen Korrektorat und Kommunikation.
Was der Skill nicht kann: entscheiden, was du sagen willst. Die Haltung, die Geschichte, die Erfahrung — das bist immer noch du. Der Skill sorgt dafür, dass davon auch was ankommt.
Viele Grüße aus Bochum,
Gerhard Schröder
PS: Der Texthacks-Skill kommt von Anne-Kathrin Gerstlauer — vielen Dank für die Erlaubnis, ihn hier vorzustellen. Du baust selbst Cowork-Skills? Schick mir deinen besten. Einfach melden.
PS: Ein Link der mir aufgefallen ist — takeln
takeln (Plattdeutsch für Tauwerk) ist eine Rust-Bibliothek für durable, DAG-basierte Agent-Workflows von Nico Lumma (NMA Hamburg) — konzeptionell ein Rust-Pendant zu LangGraph, typsicher und mit Budget-Enforcement in Euro als First-Class-Primitive. Pre-1.0, aber sauber gebaut. Für viSales nicht direkt relevant, aber als Signal in der Agentik-Infrastruktur interessant: der Markt differenziert sich gerade, und Rust-first mit eingebautem Kosten-Stopp ist ein ernster Ansatz.
Häufige Fragen
Was ist der Texthacks-Skill für Cowork?
Der Texthacks-Skill ist eine Cowork-Implementierung des TextHacks-Frameworks von Anne-Kathrin Gerstlauer. Er gibt strukturiertes Feedback zu Texten in drei Ebenen: Ziel & Zielgruppe, Struktur und Sprache — direkt, konkret, mit Fix-Vorschlägen aus dem Text. Kein abstraktes Regelwerk, sondern ein Feedback wie von einer smarten Kollegin, die Journalistin ist und kein Blabla duldet.
Was prüft der Texthacks-Skill genau?
Ebene 0: Ist das Ziel des Textes klar? Schreibt der Autor für die Zielgruppe oder für sich selbst? Ebene 1: Struktur — Steht das Wichtigste vorne? Gibt es einen Laber-Einstieg? Ein Thema pro Absatz? Ebene 2: Sprache — Nominalstil (-ung, -heit, -keit), Füllwörter, Passivkonstruktionen, vage Adjektive. Immer mit konkreter Fundstelle aus dem Text und Fix-Vorschlag.
Für wen ist der Texthacks-Skill sinnvoll?
Für alle, die Texte schreiben, die etwas bewirken sollen — E-Mails, LinkedIn-Posts, Angebote, Newsletter, Website-Texte. Besonders wenn man selbst zu nah am Text ist und blinde Flecken nicht mehr sieht: Der Skill findet den Laber-Einstieg, den man selbst nicht mehr wahrnimmt.
Wie installiert man den Texthacks-Skill?
Die .skill-Datei herunterladen, dann im Terminal öffnen mit: open ~/Downloads/texthacks-check.skill — Cowork zeigt einen Dialog 'Zur Bibliothek hinzufügen', bestätigen, neue Session starten. Alternativ: ZIP in dein Skill-Verzeichnis (~/.claude/skills/) entpacken.
