Ein UX-Designer, ein Vertriebler & dasselbe Problem: Metaebene, eine Bachelorarbeit von Henrik Mielicke

Ein UX-Designer, ein Vertriebler & dasselbe Problem: Metaebene, eine Bachelorarbeit von Henrik Mielicke

Ein UX-Designer aus Frankfurt veröffentlicht ein Whitepaper über Mixed Reality in Museen. Basiert auf seiner Bachelorarbeit mit dem Städel Museum, gebaut mit der Apple Vision Pro. Ich lese es und erkenne unsere eigenen Projekte wieder.

Henrik Mielicke beschreibt in seiner Metaebene ein Problem, das jeder kennt, der räumliche Inhalte professionell produziert: Museen haben Inhalte, aber keine 3D-Content-Produktions-Pipeline. Sie haben Exponate, Forschung, kulturelles Erbe, aber keinen skalierbaren Weg, das digital in den Raum zu bringen. Was sie stattdessen haben: Insellösungen. Eine App hier, ein Audioguide da, ein VR-Experiment dort. Nichts davon hängt zusammen.

Er schreibt von „Technologieoffenheit“, „offenen Standards“ und „Plattform-Architektur“. Und ich lese die ganze Zeit ein Wort, das er nie benutzt: OpenUSD.

Das ist kein Vorwurf!

Mielicke hat seine Prototypen auf der Apple Vision Pro gebaut und visionOS basiert auf OpenUSD. Jede Szene, jedes Material, jede räumliche Interaktion in visionOS ist ein USD-Objekt. Wenn er „offene Standards“ schreibt, meint er genau das... er sagt es nur nicht, weil es sonst wie ein Apple-Pitch klingt.

Aber die Pointe ist: OpenUSD ist kein Apple-Format. Es ist ein offener Standard, getragen von Pixar, Adobe, Autodesk, NVIDIA und Siemens. Und er funktioniert nicht nur auf der Vision Pro, sondern auf dem iPhone, (bestimmt bald) auf Android über WebAR, auf jedem Tablet, in jedem Browser.

OpenUSD ist (fast) für alle.

Warum Museum und Maschinenbau dasselbe Infrastruktur-Problem haben

Ich sehe bei unseren B2B-Kunden exakt das Muster, das Mielicke für Museen beschreibt. Ein Maschinenbauer hat CAD-Daten für jedes Produkt, aber keinen Workflow, der diese Daten in AR, Web, Messe und Apple Vision Pro bringt. Stattdessen: für jeden Kanal ein neues Projekt, ein neuer Dienstleister, ein neues Format. Insellösungen, genau wie im Museum.

Eine App hier, ein Audioguide da, ein VR-Experiment dort. Nichts davon hängt zusammen — die Kosten, vorhandene Daten für jedes Projekt ein weiteres Mal zu erschließen strapazieren Budgets.

Was beide Welten brauchen, ist keine bessere App. Es ist eine Spatial Sales Infrastructure, eine Pipeline, die aus einer Masterdatei alle Kanäle bedient. CAD-Daten (oder Exponat-Daten) rein, OpenUSD als Zwischenformat, und am Ende steht dasselbe Asset auf dem iPhone, dem Android-Gerät, dem Messebildschirm, der Vision Pro und im Webbrowser. Eine Quelle, alle Ausgabekanäle.

Für Museen hieße das: Exponate einmal räumlich aufbereiten und auf jedem Endgerät ausspielen — für 100 Millionen Besuche jährlich in Deutschland  statt pro Ausstellung eine neue App zu beauftragen. Für den Maschinenbau: Produkte einmal in OpenUSD aufbereiten und im Vertrieb, auf der Messe und in AR sofort nutzen.

Mielicke schließt sein Paper mit einem Satz, der eigentlich für beide Welten gilt:

„Move steady and shape things.“

Nicht schnell und kaputt — sondern gewissenhaft und verbindlich. Das ist auch mein Ansatz. Nicht das nächste AR-Gadget, sondern die Infrastruktur, die bleibt. Wer baut diese Infrastruktur? Für den Maschinenbau arbeite ich daran. Für die Museen.

Mielicke, wenn du das liest: lass uns reden.

Quelle: Henrik Mielicke, „Die Metaebene — Mixed Reality und Künstliche Intelligenz in standortbasierter Wissensvermittlung“, Whitepaper v1.1, März 2026. mielicke.com.

Weitere Impulse & Studien.

Realitätscheck

Mielicke schreibt über Museen.
Ich schreibe über Maschinenbau.

Beide Welten haben eines gemeinsam: Sie überschätzen den Wert einzelner Leuchtturmprojekte und unterschätzen die Notwendigkeit einer Infrastruktur. Ein visionOS-Prototyp für das Städel ist beeindruckend.

Aber solange das Ergebnis nicht über eine standardisierte Pipeline reproduzierbar, aktualisierbar und auf andere Häuser übertragbar ist, bleibt es genau das: ein Prototyp. Dasselbe gilt für jedes AR-Pilotprojekt im B2B-Vertrieb.

Die Frage ist nie, ob man ein gutes Erlebnis bauen kann. Die Frage ist, ob man es hundertmal bauen kann ohne jedes Mal bei null anzufangen.

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By Gerhard Schröder

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