OpenUSD im Maschinenbau: Wie Unternehmen CAD-Daten mehrfach nutzen statt mehrfach bezahlen

OpenUSD im Maschinenbau: Wie Unternehmen CAD-Daten mehrfach nutzen statt mehrfach bezahlen
  • Der größte Kostenfaktor in 3D-Projekten ist nicht die Visualisierung, sondern die wiederholte Aufbereitung derselben CAD-Daten.
  • OpenUSD entfaltet seinen Nutzen nicht als weiteres Format, sondern als gemeinsamer Ausgangspunkt für unterschiedliche Anwendungen im Vertrieb und Marketing.
  • Was einmal strukturiert angelegt ist, kann mehrfach genutzt werden – ohne jedes Mal neu bezahlt zu werden

Anton, Vertriebsleiter in einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen, legte sein Handy auf den Tisch. Das Telefonat war sachlich gewesen, freundlich sogar. Und trotzdem hatte es ihn irritiert. Der Dienstleister hatte von Einsparungen via OpenUSD gesprochen. Von bis zu dreißig Prozent - Langfristig - Nachhaltig - Sogar gut begründet. Eigentlich gute Nachrichten.

Aber je länger Anton darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, was diese Zahl implizit sagte: dass die Kosten heute zu hoch waren. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil man es eben so machte. Schon immer.

Er griff wieder nach dem Handy, stand auf und ging in den neuen Besprechungsraum. Der Raum roch noch leicht nach frischem Holz, der neue Videokonferenzbildschirm war aus, der Tisch aufgeräumt. Sein Chef Karl saß bereits dort und blickte von seiner Tasse Tee auf, als Anton hereinkam.

Anton setzte sich, zögerte einen Moment – und begann, von den schlechten Nachrichten zu erzählen.

Gute Nachrichten, die intern schwer wiegen

Einsparungen klingen nach Fortschritt, markieren aber vor allem eines: dass der Status quo teuer ist. Nicht falsch. Nicht schlecht entschieden, sondern historisch gewachsen. Die Irritation entsteht nicht durch die Zahl, sondern durch das, was sie impliziert: Dass bisherige Strukturen plötzlich erklärungsbedürftig werden – ohne dass jemand sie aktiv infrage gestellt hat.

Hinzu kommt: Der Impuls kommt fast immer von außen. Ein Dienstleister, ein Vergleich, ein neues Angebot. Etwas, das sichtbar macht, was intern lange als gegeben galt. Gute Nachrichten erzeugen dann keinen Aufbruch, sondern Druck. Weil sie Verantwortung auslösen – ohne schon eine Richtung vorzugeben.

Wenn aus einer CAD-Quelle mehrfach bezahlte Wirklichkeiten entstehen

In der CAD-Abteilung arbeitet man seit einiger Zeit eng mit einem internen Grafiker aus dem Marketing zusammen, organisatorisch bei Anton angesiedelt. Die CAD-Daten werden dafür konvertiert, um fehlende Informationen ergänzt und in der Software Unreal aufbereitet. So entstehen hochwertige YouTube-Videos und einzelne Renderings für die Website. Das Ergebnis wirkt professionell, der Aufwand ist jedoch hoch. Jede Animation, jede Kamerafahrt ist Einzelarbeit. Für mehr Inhalte reicht die Zeit nicht – und bei der Größe des Unternehmens auch nicht das Budget.

Parallel dazu gehen dieselben CAD-Daten schon länger an einen externen Dienstleister. Dort werden sie erneut aufbereitet, wieder ergänzt und für ein Unity-basierten Software vorbereitet. Ziel ist eine Maschinensimulation, inklusive angebundener SPS-Steuerung. Während in der Fertigung noch an der realen Anlage geschraubt wird, entsteht die Simulation bereits parallel. Das kostet Geld, spart aber Zeit – weil Hard- und Software gleichzeitig entwickelt werden können.

Als Anton nun eine Augmented-Reality-Lösung für Website, Messen und Vertriebspräsentationen anfragt, beginnt der Prozess ein weiteres Mal von vorn. Der Dienstleister würde wieder die CAD-Daten übernehmen, erneut konvertieren, erneut ergänzen und erneut animieren – diesmal für ein anderes Ökosystem. OpenUSD ist dem CAD-Team bislang kein Begriff. Die Arbeitsschritte, die intern für Unreal und extern für Unity bereits geleistet wurden, würden ein drittes Mal entstehen.

In vielen Unternehmen bleibt es dann nicht bei diesen drei Wegen. Für die Website kommen glTF-Pipelines hinzu, für Web und Android-Smartphones. Für Marketing entstehen oft zusätzliche 3D-Animationen in klassischen Programmen mit eigenen Formaten und Anforderungen. Vier, manchmal fünf parallele Konvertierungsstrecken – jede für sich sinnvoll begründet, jede organisatorisch getrennt, keine davon gemeinsam gedacht.

Was technisch nach Fortschritt aussieht, ist organisatorisch oft nur Parallelität – und wirtschaftlich doppelte Arbeit.

Gespräch zwischen Vertrieb,
Technik und Geschäftsführung

Geschäftsführer Karl hörte zu, ohne zu unterbrechen. Als Anton geendet hatte, lehnte er sich zurück. „Also“, sagte er schließlich, „wir haben intern Aufwand, extern Aufwand – und alles funktioniert irgendwie. Aber eben nebeneinander.“

Der Konstruktionsleiter Franz, eben hinzugerufen, nickte. „Aus unserer Sicht ist das erst mal nicht falsch. Für die Videos brauchen wir andere Vereinfachungen als für die Simulation. Unreal und Unity stellen unterschiedliche Anforderungen. Wir ergänzen die CAD-Daten jeweils so, dass es technisch sauber läuft. Der externe Dienstleister macht im Grunde dasselbe – nur für einen anderen Zweck.“

„Und das kostet“, sagte Karl, während er zu einer Tasse Tee griff.

„Ja“, antwortete der CAD-Spezialist Franz, „aber es spart an anderer Stelle Zeit. Die Simulation läuft parallel zur Entwicklung der Maschine. Ohne den Dienstleister würden wir später starten. Das ist aus unserer Sicht sinnvoll.“

Karl sah kurz auf den Tisch. „Ich verstehe das. Und ich will auch niemandem sagen, dass er es falsch macht.“

Er blickte wieder auf. „Aber wenn wir jetzt noch für Anton diese apploses-AR für das Messe-iPad dazunehmen, machen wir das dann ein drittes Mal? Wieder konvertieren, wieder ergänzen, wieder von vorne denken?“

Franz zuckte leicht mit den Schultern. „So wäre der übliche Weg.“

Chef Karl schwieg einen Moment. Dann sagte er ruhig: „Das heißt, wir optimieren jedes Mal für einen Zweck – und verlieren dabei jedes Mal den Blick auf das Ganze.“

Er drehte sich zu Anton. „Was gäbe es denn sonst noch für Möglichkeiten laut Deinem Telefonat?“

Ein gemeinsamer Ursprung statt immer neuer Pipelines

Vielleicht liegt der nächste Schritt nicht darin, eine weitere Pipeline hinzuzufügen. Sondern darin, den Anfang neu zu definieren.

Statt CAD-Daten immer wieder für einzelne Zwecke zu konvertieren, könnte man sie zunächst hausintern aus der bestehenden Konstruktionssoftware in ein neutrales Format überführen – eines, das sich besser für spätere Einsatzbereiche eignet. Farben, Materialdefinitionen, einfache Animationen oder Varianten würden dann nicht mehr projektbezogen entstehen, sondern einmal strukturiert angelegt.

Dieser Datenbestand müsste das Unternehmen nicht verlassen. Er könnte intern auf eigenen Servern liegen oder auf externen, gesicherten Systemen, mit klar geregelten Zugriffsrechten. Schlank, kontrollierbar, ohne neue Abhängigkeiten. Interne wie externe Partner würden nicht mehr mit Rohdaten arbeiten, sondern auf diesen gemeinsamen Pool zugreifen – und ihre Ergänzungen, Anpassungen oder Erweiterungen wieder zurückspielen.

Damit verschiebt sich etwas Grundlegendes. Farbdefinitionen, Animationen oder strukturelle Ergänzungen müssten nicht bei jedem Projekt neu entstehen. Was einmal sauber angelegt ist, steht auch dem nächsten Anwendungsfall zur Verfügung. Erste Einsparungen ergeben sich sofort – nicht durch Verzicht, sondern durch Wiederverwendung.

Und wenn später weitere Kanäle hinzukommen, ist der Aufwand überschaubar. Mobile Geräte, unterschiedliche Betriebssysteme, webbasierte Anwendungen oder industrielle Umgebungen lassen sich aus derselben Datenbasis bedienen. Auch Anforderungen großer Kunden nach bestimmten Simulations- oder Austauschformaten verlieren ihren Sonderstatus, weil sie keine neue Ausgangslage mehr erzwingen.

Am Ende wäre das kein neues Tool und kein neues Projekt.
Sondern eine andere Haltung gegenüber den eigenen Daten.
Eine Masterdatei für alle Fälle.

Bevor man neue Wege baut

Konstrukteur Anton würde an dieser Stelle vermutlich nicht über neue Tools sprechen. Er würde erst prüfen, ob man sich das Leben nicht einfacher machen kann. Ob die eigene CAD-Software nicht längst mehr kann, als man ihr im Alltag abverlangt. Viele Systeme, darunter auch Siemens NX, können heute bereits direkt in ein neutrales 3D-Format exportieren – eines, das nicht für einen einzelnen Zweck gedacht ist, sondern für Weiterverwendung.

  • OpenUSD heißt dieser OpenSource-Standard.
  • *.usdz das Dateiformat.
  • So selbstverständlich wie .pptx für Präsentationen oder .mp3 für Musik.

Wer sich dazu vorab einordnen möchte, warum dieses Format mehr ist als ein technisches Detail, findet hier eine ruhige Einordnung – bevor das Gespräch weitergeht:

USDZ: So wichtig wie MP3 und HTML (Lockere Einleitung)
Die OpenUSD-Story (Industriehintergrund)
Warum Apple dem Metaverse näher ist als Meta (Strategischer Ausblick)

Ein seltener Moment der Einigkeit

Karl nickte langsam.

„Das hieße also“, sagte er, „wir würden nicht mehr jedes Projekt von vorne denken. Sondern zuerst festlegen, wie unsere Daten grundsätzlich aussehen sollen.“

Der CAD-Leiter Franz überlegte kurz. „Wenn das sauber gemacht ist, ja. Dann würden Farben, Materialien, einfache Bewegungen nicht mehr jedes Mal neu entstehen. Wir würden sie einmal anlegen – und weiterverwenden.“

„Und die Dienstleister?“, fragte Verkaufsleiter Anton.

„Die würden weiterhin machen, was sie gut können“, antwortete Franz. „Aber nicht mehr auf Kopien arbeiten. Sondern auf einer gemeinsamen Basis. Was sie ergänzen, kommt zurück.“

Karl sah ihn an. „Das heißt, wir verlieren keine Flexibilität.“

„Im Gegenteil“, sagte der Franz. „Wir gewinnen sie zurück.“

Karl lehnte sich zurück. „Dann sollten wir aufhören, über die nächste Anwendung zu sprechen – und erst klären, wie unser Ursprung aussieht.“

OpenUSD im Unternehmen:
Weniger Doppelarbeit,
mehr Nutzbarkeit von CAD-Daten

An dieser Stelle ließe sich technisch weiter ins Detail gehen. Entscheidend ist jedoch weniger wie etwas umgesetzt wird, sondern was ein Unternehmen dadurch gewinnt: weniger doppelte Arbeit, geringere Abhängigkeit von einzelnen Dienstleistern und eine Datenbasis, die für mehrere Anwendungsfälle genutzt werden kann, statt immer wieder neu zu entstehen. Entscheidungen im Vertrieb, in der Simulation oder im Marketing bauen dann auf denselben Grundlagen auf – schneller, konsistenter und mit deutlich weniger Reibung.

Wer nachvollziehen möchte, wie diese OpenUSD-Logik -inklusive NVIDIA Omniverse & Apple-AR- praktisch aussieht, welche Arbeitsschritte sich dadurch einsparen lassen und warum sie sich früh rechnet, findet eine kompakte Einordnung in einem kurzen Video – inklusive grafischer Darstellung und konkreter Datenflüsse. Es basiert auf einem realen Projektgespräch und ist ein nacherzählter Ausschnitt aus meinem Vortrag beim NextReality.Festival 2025 in Hamburg. Zwei Folien, zwölf Minuten, ohne Produktdemo – dafür mit genau dem Kontext, der hier nur angerissen werden kann.

Die beschriebene Unternehmenssituation ist dabei keine theoretische Konstruktion für diesen Newsletter: Die parallelen Wege über Unreal, Unity, Apple-AR und weitere Formate stammen aus der Zusammenarbeit mit einem realen Unternehmen. Namen und Details wurden bewusst abstrahiert. Stattdessen habe ich mit Anton, Karl und dem Franz wieder meine drei Personas genutzt, um eine Situation verständlich zu machen, die so – oder sehr ähnlich – täglich in vielen Unternehmen entsteht.

Wer tiefer in die Hintergründe einsteigen möchte, findet zwei frühere Ausgaben dieses Newsletters mit Anton, Karl und Franz, die in diesen Beitrag eingeflossen sind und einzelne Aspekte weiter vertiefen:

Digital Twins im Mittelstand: Was mitgeliefert wird, spart später Zeit und Geld
Von CAD zu AR: Wie 3D-Daten Ihre Verkaufszahlen revolutionieren können

Viele Grüße aus dem Homeoffice in Velbert,

Gerhard Schröder

PS: Der Beitrag erschien am 14.1. auf LinkedIn. Es ist der erste Newsletter via dem neuen CMS Ghost6 mit dem wir nun unsere Website / Newsletter etc. erstellen. Mehr dazu an dieser Stelle.

PSS: Wenn du wenig Zeit hast oder schnell Orientierung suchst, kannst du meinem Notebook.LLM Fragen stellen. Es basiert auf Google-KI, greift jedoch ausschließlich auf meine Inhalte, Vorträge und Projekterfahrungen zurück. Ziel ist es, Zusammenhänge zu erklären – nicht, etwas zu verkaufen.

Fragen stellen

PSSS: Wenn du dich in dieser Situation wieder erkennst, ist der nächste Schritt oft kein weiteres Konzept und kein neues Tool. Sondern ein Gespräch. Eines, in dem man gemeinsam prüft, ob die eigenen CAD-Daten heute eher Kosten verursachen oder bereits als Grundlage für mehrere Anwendungsfälle dienen könnten. Genau dafür biete ich einen Austausch an, bei einer Tasse Tee oder Kaffee. Kein Pitch, keine Folienpflicht. Sondern ein ruhiges Gespräch darüber, wie eure aktuelle Datenlage aussieht, wo bei euch doppelte Arbeit entsteht und ob eine andere Ordnung der Daten realistisch wäre.

30-Minutentermin finden

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