Warum ich keine KI-Buttons auf die viSales-Startseite baue (jedenfalls so nicht)

Warum ich keine KI-Buttons auf die viSales-Startseite baue (jedenfalls so nicht)
  • KI-Buttons auf der B2B-Startseite klingen modern, schwächen aber oft die Positionierung, d.h. der Sparringspartner kommodifiziert sich selbst.
  • Conversion-Leak und Brand-Voice-Verlust sind die größten Risiken, wenn der User in einen externen ChatGPT/Claude/Perplexity-Tab abspringt.
  • Eigener Chat statt externer Buttons plus GEO-Hebel über llms.txt ist der saubere Weg — UX-Risiko minimiert, Datenkontrolle gewahrt.

Ich wollte drei prominente Buttons auf unsere Startseite bauen: „Frag ChatGPT zu viSales”„Frag Claude zu viSales”„Frag Perplexity zu viSales”. Hinter jedem Button ein vorbereiteter Prompt, der die KI mit Kontext zu uns füttert. Klingt cool, klingt zeitgeistig, klingt nach Thought-Leadership.

Ich habe es gelassen. Hier ist, warum und was ich stattdessen tue.

Vom NotebookLM zur eigenen KI-Wissensdatenbank

Spätsommer 2025, Barcamp bei der LVQ in Mülheim — einem Weiterbildungsanbieter, bei dem ich in den frühen Selbstständigkeitsjahren selbst Dozent für Social Media war, lange bevor wir Mitarbeitende eingestellt haben. Ich hatte dort eine rappelvolle Session zum Thema „Was Apple bei KI anders macht”. Aber nicht meine Session ist hier wichtig, sondern die von Martin Salwiczek, der NotebookLM vorstellte. Ich kannte das Tool, hatte es kurz angeschaut — und Martins Demo hat einen Funken gezündet.

Idee: Eine Linksammlung aus rund 50 meiner Artikel als NotebookLM-Notebook. Wer mag, kann darin recherchieren, Fragen stellen oder sich daraus einen persönlichen Podcast erzeugen lassen — zugeschnitten auf seine Fragestellung. Gesagt, getan. Der Link zum Notebook landete auf der Kontaktseite, im Sinne von: „Wenn du noch nicht mit mir reden magst — frag die KI.”

Das funktionierte gut. Niedrige Hürde, klare Funktion, eindeutiger Kontext (Kontaktseite = Recherche-Endpunkt, nicht Lead-Magnet).

Der Funke auf der XR Expo:
Drei KI-Buttons als Inspiration

29. April 2026, XR Expo, Stuttgart. Ich hatte einen Vortrag „OpenUSD für Entscheider” gehalten und schlenderte über die Messehalle. Bei einem Marktbegleiter sah ich auf einer Unterseite — im Rahmen einer flüchtigen Recherche, bevor ich an den Stand trat — genau das, was mir kurz vorher selbst durch den Kopf gegangen war: drei Buttons mit „Frag ChatGPT, Frag Claude, Frag Perplexity”. Ich klickte mich durch. Mechanik: per URL-Parameter wurde ein vorbereiteter Prompt an die jeweilige KI mitgegeben, neuer Tab, Antwort dort.

Zurück im Homeoffice, Sparringspartner Claude angeworfen.

„Was wäre, wenn ich das auch anbiete?”

Wie lang darf ein Prompt für KI-Buttons sein?

Der Marktbegleiter nutzte einen Dreizeiler. Spartanisch. Claude schlug mir vor: bis zu 5.000 Zeichen, mit allen Customer Cases, Tonalitäts-Hinweisen und Funnel-Logik. Plus Verweis auf das schon existierende NotebookLM.

Ich saß davor... 
Wirkt das nicht erschlagend?
Oder schlimmer: wie eine
Prompt-Injection???

Am nächsten Tag traf ich Sebastian Löwe bei einer virtuellen Tasse Tee, UX-Experte mit ausgewiesener Erfahrung im B2B-Bereich. Sein Urteil ohne Umschweife: „5.000 Zeichen schrecken ab.” Nicht weil B2B-Leser zu wenig lesen — sondern weil ein nackt sichtbarer 5k-Prompt für die meisten wie ein Manipulationsmechanismus aussieht. Für KI-Affine wirkt er redundant („kann ich selbst prompten”), für Nicht-Affine befremdlich („was machen die da?”). Beides untergräbt Trust.

Ich grübelte weiter.

Variante 2: Prompt als Markdown-Datei nachladen, nicht direkt sichtbar. Wirkt aber noch mehr nach Black Box. Und sobald ein KI-affiner CMO den Netzwerk-Inspector öffnet — Auto-Misstrauen.

KI-Buttons auf die Startseite oder besser auf Unterseiten?

Bei einem Spaziergang am 7. Mai kam mir ein weiterer Gedanke: Wer landet eigentlich auf der Startseite?

Nicht die Erstbesucher. Die kommen über Google direkt auf einer Unterseite — dem Konfigurator-Artikel, dem WebAR-Use-Case oder der OpenUSD-Hub-Seite. Wer auf der Startseite landet, hat eines von zwei Szenarien:

a) Er war schon auf einer Unterseite und navigiert nun zur Startseite — typisch Spätphase, sucht Vertrauen, Track Record, Person hinter der Agentur. Für den ist der „Sprich mit Gerhard Schröder”-Button wertvoller als ein KI-Button. Die KI würde ihn wegführen, nicht hinführen.

b) Er ist über LinkedIn oder eine Empfehlung direkt auf visales.de gelandet — Recherche-Modus. Auch hier: Personenbezug schlägt Maschinen-Recherche, weil der eigentliche Differenzierungswert das Sparring mit einem Menschen ist.

In beiden Fällen ist die Startseite der falsche Touchpoint für einen KI-Button. Sinnvoller wäre er auf den Unterseiten — kontextbezogen, mit kurzem zielgenauem Prompt zum jeweiligen Use Case. Aber das ist Mehraufwand. Pro Cornerstone-Seite ein eigener kuratierter Prompt. Wartungs-Hölle bei wachsendem Inhalt.

Pre-Mortem: Acht Failure Modes für KI-Buttons in B2B

An dieser Stelle hatte ich noch immer keine Antwort. Also habe ich den Konstruktiv-Kritiker-Skill von Mark Zimmermann angeworfen — eine Pre-Mortem-Methode nach Gary Klein (HBR 2007). Der Trick: Du nimmst nicht an, dein Feature ist gut, du nimmst an, es ist in 6 Monaten gescheitert. Und arbeitest rückwärts: warum?

Acht Failure Modes kamen raus. Die vier wichtigsten:

1. Selbst-Kommodifizierung. Der Button sagt unausgesprochen: „Du brauchst Gerhard nicht — frag die Maschine.” Im B2B-Sparring-Modell ist das kein Marketing-Move, das ist Selbstmord. Persönliche Tiefe ist mein Differenzierungswert. Eine KI-Antwort kann sachlich okay sein und genau deshalb meine Beratung deprivilegieren — „hab ich schon recherchiert, fass ich kurz”. Calls werden kürzer, Prospects kommen mit zementierten Annahmen.

2. Conversion-Leak. Der Klick öffnet einen externen Tab. Der User ist weg. Kein Tracking, kein Pixel, kein Retargeting, keine E-Mail. Im klassischen B2B-Pfad hätte derselbe User ein Whitepaper heruntergeladen — ich hätte die Adresse gehabt, drei Touchpoints im Workflow. Hier: Berührung ohne Spur.

3. Out-of-Control Brand Voice. Wer einen Konfigurator-Preis fragt, bekommt von Perplexity eine Spanne wie „15.000–60.000 EUR, Anbieter wie viSales, …”. Drei Probleme in einem Satz: Pricing-Festnagelung unter meinem Wert, ungewollte Konkurrenz-Listung, Tonalitäts-Bruch zum Sparring-Ton. Selbst der beste Prompt kann Foundation Models nicht zu 100 % steuern.

4. Plattform-Brittleness. URL-Parameter-Mechaniken sind keine stabilen Schnittstellen. ChatGPT, Claude und Perplexity können quartalsweise ändern, wie sie eingehende Prompts behandeln. Ein Update — und drei Wochen lang läuft ein gebrochener Brand-Touchpoint, ohne dass ich es merke.

Detail: Die vier weiteren Failure Modes (Pre-Mortem im Vollumfang)

5. Prompt-Sichtbarkeits-Bruch. Ein 5.000-Zeichen-Prompt offen darzustellen wirkt für 80 % der B2B-Zielgruppe befremdlich — wie ein Manipulationsmechanismus. Für die KI-affinen 20 % redundant. Beides untergräbt Trust.

6. Falsche Platzierung Homepage. Geschätzt 70 % der Sessions starten auf Artikeln (SEO/LinkedIn-Inbound). Die Homepage erreicht maximal 30 %. Davon klicken vielleicht 4 % auf einen KI-Button — du baust für unter 1 % deines Traffics ein Feature.

7. Thought-Leader-Inkonsistenz. Ich positioniere mich als OpenUSD-Sparringspartner mit Tiefenwissen, halte Vorträge, bin in der Alliance for OpenUSD. Ein KI-Button signalisiert das Gegenteil: „Mein Wissen reicht nicht — frag halt die KI.” Zwei Signale konkurrieren, das schwächere gewinnt.

8. Blinder Feedback-Loop + DSGVO-Restrisiko. Die wertvollsten Daten — was Prospects wirklich fragen — liegen bei OpenAI, Anthropic, Perplexity, nicht bei mir. Plus: Der Klick mit Prompt-Inhalt + UTM-Parametern ist eine Datenweitergabe an US-Anbieter. AVV, Drittland-Klausel, Cookie-Consent — alles muss sauber sein, sonst Abmahnrisiko.

DSGVO, Haftung, UWG:
Die rechtlichen Fragen zu KI-Buttons

An genau dem Punkt — Datenweitergabe, Drittland, KI-Output-Haftung — wurde aus dem UX-Thema ein juristisches. Drei Fragen blieben hängen, die ich nicht aus dem Bauch beantworten wollte. Also habe mit Claude - KEINE RECHTSBERATUNG - erstmal verschiedene Blickwinkel auf das Thema diskutiert...

1. DSGVO/Drittland. Ist der Klick auf einen solchen Button (mit GET-Request inklusive Prompt + UTM/Referrer an US-Anbieter) eine consent-pflichtige Datenweitergabe? Reicht ein Cookie-Banner-Hinweis, oder braucht es eine eigene Einwilligungs-Stufe?

2. Haftung für KI-Output. Wenn die KI auf Basis meines Prompts eine Aussage produziert, die sich später als falsch oder rufschädigend erweist (z.B. unzutreffende Preisspanne, Fehlzitat eines Wettbewerbers) — hafte ich dafür wie für eine eigene Aussage, oder ist das „fremde KI-Antwort”?

3. UWG-Risiko. Ab welcher Schwelle wird ein Kontext-Prompt zur „irreführenden Werbung” oder unlauteren vergleichenden Werbung? Macht es einen Unterschied, ob 3 Zeilen oder 5.000 Zeichen Steuerung mitgegeben werden?

Statt KI-Buttons: Eigener Chat, GEO-Hebel und Sparring-Anker — drei Optionen auf dem Tisch

Final entschieden ist hier noch nichts. Ob die Buttons gar nicht kommen, wo sie kommen und in welcher Form — das hängt jetzt entscheidend von Thomas Schwenkes juristischer Einschätzung ab. Drei Optionen liegen aktuell auf dem Tisch:

1. Keine drei prominenten KI-Buttons auf der Startseite. Stattdessen: ein dezenter „Mit KI vorrecherchieren”-Hinweis auf 3–5 strategischen Cornerstone-Unterseiten — Konfigurator, WebAR, OpenUSD-Hub. Kontextspezifisch. Mit kurzem Prompt, der zum Use Case passt.

2. Den GEO-Hebel separat ziehen. Die kuratierten Prompts wandern als Markdown-Inhalte in unsere llms.txt und in Grounding-Pages — also dorthin, wo LLM-Crawler sie als kanonische Selbstbeschreibung lernen. Das ist der eigentliche Wert dahinter: nicht der Frontend-Button, sondern die Trainings-/Grounding-Sichtbarkeit. Funktioniert ohne UX-Risiken.

3. Mittelfristig: eigener Chat statt externer Buttons. Mit Claude API auf eigener Domain, eigenem Logging, eigenem AVV. Löst Conversion-Leak, Brand-Voice-Kontrolle und DSGVO-Frage in einem Aufwasch. Der Aufwand ist überschaubar — die Daten, die ich daraus gewinne (was fragen Prospects wirklich?), sind Gold wert für unsere Content-Strategie.

Eines steht für mich aber fest: Der „Sprich mit Gerhard Schröder”-Button bleibt da, wo er hingehört — präsent in Header, Footer und Sidebar als Konstante, nicht als Notnagel unter etwaigen KI-Buttons. Sonst signalisiert die Reihenfolge unausgesprochen „KI ist Plan A, Mensch ist Plan B”. Bei einem Sparringspartner-Modell ist das genau falsch herum.

Fazit: KI-Buttons als Mode-Move oder echter Differenzierer?

Ein KI-Button auf der Website ist 2026 ein Mode-Move. In 12–18 Monaten haben das alle. Differenziert dich also nicht durch Existenz, sondern bestenfalls durch Qualität. Die echte Differenzierung in der B2B-Beratung sitzt woanders: in Tiefenwissen, in konkreten Cases, im persönlichen Sparring. Ein KI-Button, der diese Differenzierungs-Achsen schwächt statt stärkt, wäre ein schlechter Tausch — egal wie zeitgeistig er aussieht.

Ob ich am Ende gar nicht baue, nur auf Unterseiten oder doch eine eigene Chat-Lösung umsetze, entscheide ich erst, wenn die juristische Einschätzung da ist. Bis dahin gilt für mich: Bevor ich baue, will ich verstehen. Und genau das ist im B2B-Sparringsmodell das eigentliche Differenzierungs-Signal.

Wie löst ihr das? Habt ihr KI-Buttons auf eurer B2B-Site? Oder einen eigenen Chat? Welche Erfahrungen habt ihr mit Conversion und Brand Voice gemacht? Schreibt mir — gern auch direkt per LinkedIn oder über die Kontaktseite.

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