ConfigXR: AR-Produktkonfigurator mit Apple AR Quick Look
Diese Seite ist die archivierte deutsche Dokumentation zum GitHub-Projekt ConfigXR, welches wir 2022 OpenSource gegeben haben: github.com/.../ConfigXRBuilder Mehr dazu unter Verkaufen mit dem Augmented Reality-Stuhl-Konfigurator: AR mit *.usdz und *.reality Unser Nachfolgeprodukt ist USDconfig.
Was erstellt ConfigXR?
Dieser Workflow erstellt den kompletten HTML/JS-Code (in Elm) für eine mehrsprachige Landingpage – eine produktspezifische WebApp – sowie passende interaktive AR-Szenen (eine pro Sprache), die sich per Apple AR Quick Look (ARQL) direkt von dieser Landingpage starten lassen. Eine WebXR-Version für Android-Geräte ist in der Roadmap.
Dieselbe WebApp kann auch mit einem URL-Parameter aufgerufen werden, der die in AR vorgenommenen Konfigurationsänderungen abbildet – oder den Nutzer direkt in den Webshop weiterleitet, inklusive passender Query-Parameter oder Shop-ID.
Warum wird das gebraucht?
Viele Webshop-Frameworks erlauben zwar Produktanpassungen, laden dabei aber bei jeder Änderung die Seite vom Server neu. Das ist mit keiner bekannten WebAR/WebXR-Lösung kompatibel, um ein Produkt per CMS-Plugin zu konfigurieren. Nur eine dedizierte WebApp mit einem Headless CMS oder einer vergleichbaren Lösung kann dieses Problem lösen.



Apple AR Quick Look und RealityOS
Getroffene Entscheidungen
Als Pixar auf der SIGGRAPH 2015 USD (Universal Scene Description) als Open-Source-Framework vorstellte – die fünfte Generation ihres hauseigenen Systems für riesige Filmszenen mit Tausenden 3D-Assets, an denen Hunderte Künstler gleichzeitig arbeiten – war das Staunen groß.
Pixar nutzte High-End-GPUs von NVIDIA für das Realtime-Viewport. NVIDIA warb daraufhin viele Pixar-Entwickler ab, um an Omniverse zu arbeiten – heute genutzt, um High-End RTX-Karten und Server an Enterprise-Kunden zu verkaufen.
Apple entschied sich, seine geheimen VR/MR-Bemühungen umzubauen und USD zu einem zentralen Bestandteil seiner Strategie zu machen. Auch Unternehmen wie Adobe/Substance, Autodesk und diverse VFX-Anbieter wechselten zu USD.
AR Quick Look ab iOS 12
2018 kündigte Apple USDZ-AR-Unterstützung für iPhones und iPads mit iOS 12 an. Geräte, die auf iOS 12 blieben, können nur einzelne AR-Assets darstellen.
Interaktive USDZ ab iOS 13.1
Mit iOS 13.1 veröffentlichte Apple ein erweitertes AR Quick Look – eine AR-fokussierte Game Engine Runtime mit Nutzerinteraktionen und Physik-Simulation, vorinstalliert auf allen iOS-Geräten. Dazu den Reality Composer als Editor für interaktive Szenen. Das erweiterte USDZ-Format speichert nicht nur ein, sondern viele Assets in mehreren interaktiven Szenen – interactiveUSDZ.
Apple ermöglichte sogar das gleichzeitige Laden mehrerer (auch interaktiver) USDZ-Dateien, die individuell im Raum platziert werden können.
Der Weg zu RealityOS
Apple bereitete intern bereits eine Stereo-AR-Version für iPhones vor. Die Hardware-Vorbereitung umfasste: mehr RAM, GPU-Leistung für Multi-View-Rendering, Metal-API für bis zu 16 Kamera-Views parallel, UltraWide-Kamera für Hand-/Fingertracking, U1-Chip für präzises Device-Tracking, und AirTags als MR-Tracking-Anker.
Auf der Software-Seite: Hand-/Fingertracking (ab iOS 14), Metal 3 (ab iOS 16 für iPhone 11+), SharePlay, RealityKit und RealityOS.
Revolution für XR
Während alle auf Apples nächstes großes Ding warteten, haben einige den Köder geschluckt: Apple exportiert interactiveUSDZ in einem Open-Source-Format aus dem Reality Composer. Der Tech-Stack wurde reverse-engineered – so entstand eine eigene Pipeline für den Export von interactiveUSDZ, angefangen mit Produktkonfiguratoren (ConfigXR).
Das Revolutionäre an Apples Konzept: Es hat das Potenzial, die meisten kosten- und zeitintensiven Schritte zu eliminieren, die eine XR-Experience heute durchlaufen muss.
Der alte Weg vs. der neue Weg
Bisher: 3D-Daten an Spezialisten übergeben → Game-Engine-Team baut dutzende App-Varianten → Monate warten → Rechtliche Freigabe pro Variante → App-Store-Einreichung → Erneut Monate warten auf Freigabe → OTA-Updates.
Jetzt: Geometrie, Materialien und Game-Logik in eine USDZ-Datei exportieren → Auf der Website hosten → Vertrieb bettet Link in Produktseite ein → Kunde öffnet AR Quick Look direkt → USDZ auf dem Server aktualisieren = Kunde bekommt immer die neueste Version.
USD – Universal Scene Description
USD ist das universelle Szenen-Beschreibungsformat, ursprünglich von Pixar entwickelt. Weitere Informationen unter openUSD.org.
Apples AR-Erweiterungen für USD
Das Framework nutzt Apples "preliminary_"-Schemas für: 3D-Text in AR Quick Look (reduziert Dateigrößen drastisch), Interaktionen und Physik auf 3D-Modellen im AR-Raum, sowie Animationen, die per Handgeste ausgelöst werden.
Technische Basis
Elm – Funktionale Frontend-Sprache
ConfigXR nutzt die funktionale Programmiersprache Elm. Vorteile: einfaches Refactoring, Garantie gegen Runtime-Fehler, striktes Typing. Für die Erstellung eines interaktiven Konfigurators muss man Elm nicht lernen – es reicht, ein produktbezogenes Modul anzulegen und Varianten als Datenstruktur zu deklarieren.
Tauri – Leichtgewichtige Alternative zu Electron
Tauri ist in Rust geschrieben und eine schlanke Alternative zu Electron. Das gesamte App-Bundle ist unter 3 MB groß – verglichen mit Electron-Bundles, die leicht über 100 MB erreichen.
USD Command Line Tools
Die Pipeline erstellt eine menschenlesbare USD-Datei (.usda), die dann mit usdcat in das Binärformat (.usdc) konvertiert und mit usdzip zusammen mit Texturen und Sounddateien in ein USDZ-Archiv verpackt wird – fertig für Apple AR Quick Look.
Reality Composer
Apples offizielles 3D-Tool für interaktive USDZ-Experiences, verfügbar für macOS und iPadOS. Reality Composer exportierte früher im .reality-Format (umbenennen zu .usdz nötig), neuere Versionen exportieren direkt als USDZ.
Produktseite erstellen
Internationalisierung (i18n)
Alle nutzersichtbaren Texte – Landingpage, Editor-UI und AR-Interface – sind mehrsprachige Dictionaries. Standardmäßig mit Fallback auf Englisch. Weitere Sprachen lassen sich einfach ergänzen.
Unternehmensbezogene Anpassungen
Der Ordner Intro enthält den Großteil des Landingpage-Codes. Pro Unternehmen wird eine eigene Datei angelegt mit Akzentfarbe, E-Mail, Impressum-URL, DSGVO-URL und weiteren Parametern.
Export aus Blender
Ein Python-Skript (b3d/export-elm.py) exportiert einzelne Meshes aus Blender als Elm-Quellcode-Snippets. Diese werden dann als Modul eingebunden oder in den produktbezogenen Code eingefügt.
Farben, Texturen und UV-Maps
Materialien müssen vor dem Export korrekt zugewiesen sein, UV-Maps sauber entfaltet. Texturdateien werden im USDZ-Archiv eingebettet. Mehrere Textur-Sets für verschiedene Varianten und Material-Eigenschaften wie Metallic und Roughness werden übernommen.
Produktvarianten definieren
Jeder Produktkonfigurator erfordert die Definition von Varianten in Elm: Farbe, Größe, Material, Stil-Optionen, zugeordnete 3D-Modelle, interaktive Elemente und Preisinformationen. Produktmodule sind eigenständig und unabhängig aktualisierbar.
Build-Zyklus
Der typische Build-Zyklus: 3D-Modelle in Blender vorbereiten → Geometrie und Texturen exportieren → Produktvarianten in Elm definieren → Anwendung kompilieren → Interaktive USDZ-Szene generieren → In AR Quick Look auf dem Gerät testen → USDZ-Dateien auf Webserver deployen. Jeder Schritt kann über bereitgestellte Skripte automatisiert werden.
Erweiterte Funktionen
HTML-Einbettung
AR Quick Look Experiences lassen sich per einfachem HTML-Link einbetten: Ein <a>-Tag mit rel="ar" und href auf die USDZ-Datei. Voraussetzungen: USDZ auf Webserver gehostet, CORS-Header konfiguriert, Content-Type model/vnd.usdz+zip, iOS-Gerät mit AR Quick Look.
Mehrere Assets in einer AR-Session
AR Quick Look unterstützt komplexe Szenen mit mehreren Assets: Mehrere USDZ-Dateien in einer Session laden, jedes Asset individuell positionieren und skalieren, verschiedene Materialien und Interaktionen pro Asset, Multi-Produkt-Konfigurationen, Produktvergleiche und Raumplanungs-Anwendungen.
Verbesserte IBL-Beleuchtung ab iOS 16
iOS 16 brachte Verbesserungen für Image-Based Lighting in AR Quick Look: präzisere Umgebungslicht-Schätzung, verbesserte Spiegelungen, besseres Schatten- und Occlusion-Handling, realistischere Materialdarstellung und überzeugendere Integration der Produkte in die physische Umgebung.
Vordefinierte Farben
ConfigXR enthält vordefinierte Farbsysteme für Produktvarianten: Standard-Farbpaletten, Material-Finish-Presets (matt, glänzend, metallisch), branchenübliche Farbdefinitionen, Custom-Farbraum-Unterstützung und Varianten-Farbkombinationen.
Roadmap und Community
Geplante Erweiterungen: Erweiterte Animations-Unterstützung, verbesserte Physik-Simulation, breitere USDZ-Schema-Unterstützung, bessere Integration mit weiteren DCC-Tools, Performance-Optimierungen und erweiterte Plattform-Unterstützung.
Das Projekt ist Open Source auf GitHub. Beiträge sind willkommen – Bug-Reports, Feature-Requests, Pull Requests, Dokumentations-Verbesserungen und Use-Case-Sharing.
Typische Entscheiderfragen
Was ist ein interaktives USDZ und wie unterscheidet es sich von einem normalen USDZ?
Ein normales USDZ ist ein statisches 3D-Archiv – es zeigt ein einzelnes Modell in Augmented Reality, ohne Interaktion. Ein interaktives USDZ (interactiveUSDZ) hingegen enthält mehrere Assets, Nutzerinteraktionen, Physik-Simulation und sogar szenenübergreifende Logik. Apple hat dieses erweiterte Format ab iOS 13.1 eingeführt. AR Quick Look fungiert dabei als vorinstallierte AR-Game-Engine, die diese interaktiven Szenen direkt abspielen kann – ohne App-Download, ohne Installation.
Braucht der Kunde eine App, um den AR-Konfigurator zu nutzen?
Nein. Apple AR Quick Look ist auf jedem iPhone und iPad ab iOS 12 vorinstalliert. Der Kunde öffnet einfach einen Link auf der Produktseite – die AR-Szene startet sofort im Browser, ohne App Store, ohne Download, ohne Wartezeit. Das senkt die Einstiegshürde im Vertrieb erheblich. Mehr dazu im Artikel AR Quick Look mit Banner – Apple baut die AR-Kauftaste in Safari.
Welche 3D-Formate und CAD-Daten lassen sich in AR-Konfiguratoren umwandeln?
Die Pipeline unterstützt den Export aus Blender (via Python-Skript) in das USDZ-Format. Geometrie, Materialien, UV-Maps und Texturen werden automatisch übernommen. Für die Konvertierung von CAD-Daten aus gängigen Maschinenbau-Formaten (STEP, IGES, JT) in AR-fähige Assets bietet viSales mit USDbridge eine eigene Lösung, die den gesamten Konvertierungsprozess automatisiert.
Was ist der Unterschied zwischen ConfigXR und USDconfig?
ConfigXR war das Open-Source-Pionierprojekt (2022 auf GitHub veröffentlicht), mit dem viSales die Grundlagen für interaktive AR-Produktkonfiguratoren per USDZ geschaffen hat. USDconfig ist die professionelle Weiterentwicklung für B2B-Kunden: optimierte Pipeline, breitere Format-Unterstützung, einfachere Integration in bestehende Webshops und Vertriebsprozesse. ConfigXR bleibt als Referenz und Lernressource verfügbar.
Funktioniert AR Quick Look auch auf Android-Geräten?
AR Quick Look ist eine Apple-Technologie und läuft ausschließlich auf iOS und iPadOS. Für Android-Geräte gibt es WebXR als Alternative, die über den Chrome-Browser funktioniert – allerdings mit anderen technischen Anforderungen. Eine detaillierte Gegenüberstellung beider Plattformen findest du im Artikel Apple vs. Android: Augmented Reality Unterschiede erklärt.