Wie ein VR-Video zum langfristigen System für Recruiting, Marketing und Vertrieb wurde
Kunde: K+S AG
Recruiting ist kein Format. Es ist ein System.
Viele Arbeitsplätze lassen sich erklären, jedoch nur wenige lassen sich vorab erleben. Gerade bei Berufen, deren Arbeitsort für Außenstehende unsichtbar ist, entsteht schnell eine Lücke zwischen Vorstellung und Realität. Klassische Recruiting-Kommunikation stößt hier an Grenzen – besonders auf Azubimessen, wo wenige Minuten entscheiden, ob echtes Interesse entsteht oder nicht.
Genau an diesem Punkt setzte das 360-Video-Projekt für K+S an.
Ausgangspunkt
Ein Großteil der Ausbildungsplätze bei K+S befindet sich mehrere hundert Meter unter Tage. Über Tage ist davon kaum etwas sichtbar. Anders als in klassischen Bergbauregionen prägt der Arbeitsplatz nicht das Stadtbild – weder emotional noch visuell.
Für das Recruiting bedeutete das eine zentrale Herausforderung: Wie vermittelt man auf einer Azubimesse, was es heißt, in dieser Umgebung zu arbeiten?
Erklärungen allein reichten nicht aus. Viele Gespräche blieben oberflächlich, Erwartungen unklar. Das führte zu Missverständnissen, Enttäuschung – und letztlich zu Fehlbewerbungen.
Die Herausforderung aus Marketingsicht
K+S war auf klassischen Azubimessen präsent – mit den üblichen Mitteln. Doch die Besonderheit der Ausbildungsplätze ließ sich so kaum transportieren. Aus Marketingsicht zeigten sich vor dem Projekt klare Symptome:
- Gespräche am Stand blieben häufig allgemein.
- Potenzielle Bewerber stellten wenige vertiefende Fragen.
- Die Erwartungshaltung gegenüber dem Arbeitsalltag unter Tage war schwer steuerbar.
Hinzu kam der zeitliche Druck: Interne Prognosen zeigten, dass in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren viele Mitarbeitende altersbedingt ersetzt werden müssen. Konkrete Zahlen können nicht kommuniziert werden, der Handlungsbedarf war dennoch eindeutig.
Zielsetzung
Das Ziel war nicht, mehr Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erzeugen. Ziel war früheres Erwartungsmanagement. Konkret sollte sich verändern:
- die Anzahl geeigneter Bewerbungen in den Zielregionen,
- die Qualität der Gespräche auf Azubimessen,
- und die Passung zwischen Vorstellung und tatsächlichem Arbeitsumfeld.
Klassische Messekommunikation wurde dabei bewusst nicht weiter optimiert. Die Entscheidung fiel früh: Ein erklärendes Mehr desselben würde das Problem nicht lösen.
Der Denkansatz
viSales schlug K+S vor, Recruiting-Kommunikation nicht länger als isolierte Einzelmaßnahme zu betrachten, sondern als System, das vor, während und nach der Messe wirkt. Der zentrale Perspektivwechsel lautete: Arbeitsplätze müssen nicht beschrieben, sondern erlebbar gemacht werden – bevor eine Entscheidung fällt.
Nicht das Format stand dabei im Vordergrund, sondern der Hebel:
- Entlastung der Gesprächssituation auf der Messe
- Verlängerung des Messegesprächs in den digitalen Raum
- Frühere Vorselektion auf Basis realistischer Eindrücke
Umsetzung: Zwei Drehs, ein Erlebnis
Im ersten Projekt filmte viSales an vier Drehtagen direkt unter Tage ein 360°-Video im laufenden Betrieb. Gedreht wurde mit echten Auszubildenden, Ausbildern und Mitarbeitenden – an realen Arbeitsorten.
Die Umsetzung war anspruchsvoll:
- Szenen wurden unter Tage gemeinsam mit den Beteiligten detailliert vorbereitet.
- Große Bergwerksfahrzeuge wurden für die Kameraperspektiven positioniert.
- Bis zu 15 Mitarbeitende arbeiteten parallel mit dem Drehteam zusammen.
Ziel war es, in mehreren Blickrichtungen gleichzeitig Handlung zu erzeugen – um das Gefühl zu vermitteln, mitten im Geschehen zu stehen. Das Drehkonzept profitierte dabei stark von der Erfahrung einzelner viSales-Mitarbeitender aus dem Theaterbereich, insbesondere im Umgang mit Laiendarstellern und räumlicher Inszenierung.
Ein Jahr später folgte ein zweiter Dreh über Tage: Hintergrund war der Erfolg des ersten Projekts, das intern unter anderem vor Vorstand und politischen Würdenträgern präsentiert wurde. Die Erkenntnis war klar: Dieses Medium trägt.
Im zweiten Projekt wurden weitere Ausbildungsberufe erfasst und der Blick auf die Arbeitswelt über Tage ergänzt.
Einsatz auf Azubimessen:
Vom Erklären zum Gespräch
Der eigentliche Mehrwert entstand im Zusammenspiel der Maßnahmen. viSales entwickelte gemeinsam mit K+S nicht nur die Inhalte, sondern auch das Einsatzkonzept:
- gezielte Social-Media-Kampagnen im Vorfeld der Messen,
- Einladung von Schulen und Schülern zum Messebesuch,
- bewusste Inszenierung des Messestands als VR-Erlebnisraum.
Das veränderte die Gespräche grundlegend. Standpersonal berichtete, dass Besucher nun aktiv Fragen stellten – konkret, interessiert und informiert. Die VR-Erfahrung ersetzte nicht das Gespräch, sie öffnete es.
Frühere Selektion als strategischer Vorteil
Ein wichtiger Effekt wurde schnell deutlich: Interessenten konnten sich selbst realistisch einordnen. Wer nach dem VR-Erlebnis sagte „Genau das suche ich“, war hochmotiviert. Wer merkte, dass die Realität nicht den eigenen Vorstellungen entsprach, erkannte das früh.
Für K+S war das ein klarer Vorteil: Einladungen zu Tagen der offenen Tür oder aufwendige Untertage-Touren sind kostenintensiv. Durch das immersive Erlebnis auf der Messe entstand bereits ein belastbares Erwartungsmanagement – und eine sinnvolle Vorselektion.
Ergebnis und Wirkung
Konkrete Zahlen können nicht veröffentlicht werden. Dennoch zeigte sich die Wirkung klar:
- Die Anzahl der Bewerbungen in den Zielregionen stieg wieder an.
- Die Gesprächsqualität auf Messen verbesserte sich deutlich.
- Inzwischen nutzen alle deutschen Standorte die VR-Inhalte im Recruiting.
Im zweiten Dreh wurden zudem alle Ausbildungsberufe über Tage erfasst, wodurch sich der Ansatz weiter skalieren ließ.
Weiterverwertung und langfristiges Systemdenken
Aus dem ursprünglich für Recruiting gedachten Material entstanden weitere Formate – angestoßen durch viSales:
- ein übergreifendes 360°-Marketingvideo „Der Weg des Salzes“,
- Hochkant-Clips für Social Media,
- sowie später eine Nutzung im Vertrieb.
2025 schlug viSales vor, die bestehenden Inhalte für aktuelle VR-Brillen neu aufzubereiten. Der Impuls wurde zunächst vom Vertrieb aufgegriffen:
„Können wir die Videos in besserer Qualität mit zum Kunden nehmen?“
Die Entscheidung zahlte sich aus. Die damals sehr hoch aufgelöste Aufnahmequalität – deutlich über dem damaligen Ausgabestandard – ermöglichte eine erneute Nutzung ohne neue Drehs. Die erheblichen internen Aufwände eines erneuten Untertage-Drehs konnten so vermieden werden.
Einordnung
Dieses Projekt zeigt, dass Recruiting-Kommunikation dann besonders wirksam wird, wenn sie nicht als kurzfristige Kampagne gedacht ist. Überall dort, wo Erwartung und Realität auseinanderfallen, kann ein immersiver Ansatz helfen:
- Gespräche zu entlasten,
- Fehlannahmen früh zu klären,
- und Entscheidungen fundierter zu machen.
Für viSales war dieses Projekt der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit – und ein Beispiel dafür, wie visuelle Systeme über Jahre hinweg weiterentwickelt werden können, wenn sie von Anfang an strategisch mitgedacht werden.
Hinweis: Die ersten Projekte und das Vortragsvideo entstanden noch unter dem Namen „Kreative KommunikationsKonzepte GmbH“. Im Rahmen eines Firmenumzugs haben wir uns auch für einen neuen Namen entschieden – heute als viSales GmbH.