Virtuelle Showrooms direkt in Microsoft Teams: Wie "Immersive Events" Meetings verändern
- Microsoft Teams Immersive Events ermöglichen virtuelle Showrooms und 3D-Meetings direkt im B2B-Alltag – ohne neue Plattform, ohne Spezialtermin.
- Von 3D-Objekten (GLB) über individuell gestaltete Meetingräume bis hin zu virtuellen Produktwelten und Produktkonfiguratoren lässt sich der Einsatz je nach Bedarf skalieren.
- Der zentrale Vorteil gegenüber klassischen virtuellen Showrooms: räumliche Darstellung findet direkt in Microsoft Teams statt – nutzbar auf Windows, Mac oder mit VR-Brille wie der Meta Quest. Keine separate Plattform, kein Spezialtermin.
Ein gewöhnlicher Teams-Call
Karl, der Geschäftsführer, und Anton sitzen in einem Teams-Call mit einem Lieferanten. Herr Buhmann von der Fluidtronic AG stellt seine neue Pumpe vor. Buhmann ist kein Technikvorreiter. Eher das Gegenteil. Sachlich, nüchtern, leicht grummelig.
Zu Beginn des Calls bittet Buhmann Anton, eine VR-Brille aufzusetzen.
Anton schaut kurz irritiert zu Karl. Mit dieser Bitte hatte er ausgerechnet von Buhmann nicht gerechnet...
Karl bleibt am PC, mit Maus und Tastatur. Anton setzt die Brille auf. Wenige Sekunden später stehen sie zu dritt in einem virtuellen Showroom – direkt in Microsoft Teams. Auf einem Tisch vor ihnen: die neue Pumpe.
Anton sieht die Flüssigkeit im Inneren der Pumpe strömen. Strömungsverlauf, Druckzonen, Wirbel. Kein Schnittbild, keine Animation, keine Erklärung.
Anton denkt: "Wenn selbst Buhmann das nutzt, muss es wirklich einfach sein!"
Fiktion und Realität
Anton und Karl sind wiederkehrende, fiktive Figuren aus diesem Newsletter. Herr Buhmann ebenfalls, es ist die bekannte Figur von Berater Bernd Geropp, bewusst eher als grummeliger Pragmatiker denn als Technikvorreiter gedacht.
Was nicht fiktiv ist: Das beschriebene Erlebnis. Virtuelle Showrooms und 3D-Inhalte lassen sich heute direkt in Microsoft Teams nutzen – ohne Spezialtermin, ohne Event-Setup, ohne neue Plattform. Genau darum geht es in dieser Ausgabe: nicht um Zukunft, sondern um eine Funktion, die bereits verfügbar ist – und überraschend einfach eingesetzt werden kann.
Was hier technisch passiert: Immersive Events in Microsoft Teams
Die Szene aus dem Einstieg ist kein Zukunftsszenario und keine Marketing-Demo.
Sie basiert auf einer real verfügbaren Funktion in Microsoft Teams, die Microsoft unter dem Namen Immersive Events bereitstellt.
Video: Trailer von MS Teams zu Immersive Spaces (ca. 1 Min.)
Der entscheidende Punkt: Das zugrunde liegende Meeting bleibt ein ganz normales Teams-Meeting. Es gibt keinen Plattformwechsel, keinen separaten Termin und kein neues Tool, das eingeführt werden müsste. Die immersive Umgebung ist eine optionale Erweiterung innerhalb des bestehenden Calls.
Was spricht für Immersive Events?
Vom Videogitter zum gemeinsamen Raum
Statt nebeneinander angeordneter Videokacheln betreten die Teilnehmenden einen dreidimensionalen Raum. Wer möchte, kann diesen mit einer VR-Brille betreten. Wer nicht, bleibt am Desktop und navigiert mit Maus und Tastatur. Beide Perspektiven existieren parallel – und gleichberechtigt.
Entscheidend ist nicht das Endgerät, sondern die gemeinsame Referenz. Alle sehen denselben Raum, dieselben Objekte, dieselbe Situation. Gespräche verlagern sich damit vom Beschreiben hin zum gemeinsamen Betrachten.
Warum das kein Spezial-Setup ist
Immersive Events sind nicht als High-End-Simulation gedacht. Sie ersetzen keine Engineering-Software, keine CAD-Systeme und keine tiefen Produktkonfiguratoren. Ihre Stärke liegt woanders: in der Niedrigschwelligkeit.
Räumliche Inhalte tauchen genau dort auf, wo ohnehin gesprochen und entschieden wird. Ohne zusätzliche Software, ohne neues Login, ohne organisatorischen Mehraufwand, im Mittelstand ebenso wie auch im Konzernkontext. Genau das macht die Funktion im Alltag nutzbar – selbst für Menschen, die sich sonst nicht als Technikvorreiter verstehen.
Räumliche Darstellung statt zusätzlicher Erklärung
Was sich ändert, ist nicht der Prozess, sondern die Art der Verständigung. Maßstab, Abstände und Perspektiven werden sichtbar, ohne erklärt werden zu müssen. Ein Produkt steht im Raum. Ein Kontext entsteht. Missverständnisse lassen sich früher erkennen – oder vermeiden.
Immersive Events erweitern Meetings nicht um „mehr Technik“, sondern um mehr Klarheit. Und genau darin liegt ihr Reiz für Vertrieb, Abstimmung und Entscheidungsfindung.
Die folgenden Zeilen stellen zwei wichtige Ergänzungsmöglichkeiten zu den Standardräumen in den Immersive Events dar.
Stufe 1: 3D-Objekte direkt im immersiven Meeting (GLB)
Eine der niedrigschwelligsten Möglichkeiten, Immersive Events in Microsoft Teams zu ergänzen ist das Platzieren einzelner 3D-Objekte direkt im virtuellen Meetingraum. Technisch basiert dieser Ansatz auf dem Dateiformat GLB, das sich für performante, leichtgewichtige 3D-Darstellungen eignet.
Das Prinzip ist einfach: Ein 3D-Modell wird vor dem Meeting vorbereitet und mindestens 10 Minuten vor dem Termin via OnDrive oder SharePoint hinzugefügt. Im immersiven Raum erscheint es dann als Objekt im gemeinsamen Umfeld – etwa auf einem Tisch oder frei im Raum platziert. Alle Teilnehmenden sehen dasselbe Modell, können ihre Perspektive verändern und sich dazu austauschen. Das Meeting selbst bleibt unverändert; es wird lediglich um eine räumliche Referenz ergänzt.

→ Weitere Infos auf der MS Immersive Events-HowTo-Seite
Gerade für Vertriebs- und Abstimmungsgespräche ist das wirkungsvoll. Statt über Maße, Einbausituationen oder Proportionen zu sprechen, steht das Objekt sichtbar im Raum. Der Fokus liegt nicht auf Interaktion oder Konfiguration, sondern auf gemeinsamer Orientierung. Maßstab, Lage und Wirkung lassen sich auf einen Blick erfassen – unabhängig davon, ob jemand mit VR-Brille oder am Desktop teilnimmt.
Wichtig ist dabei die Vorbereitung der Daten: CAD-Modelle müssen für diesen Einsatz bewusst vereinfacht werden. Es geht nicht um technische Vollständigkeit, sondern um Verständlichkeit und Stabilität im Meeting. Ein gutes GLB-Modell ist kein digitales Zwillingsexemplar, sondern eine visuelle Repräsentation mit klarer Aussage.
Dieser Ansatz macht Immersive Events besonders anschlussfähig. Er erfordert keine Umgestaltung des gesamten Raums, kein spezielles Szenario und keine lange Einführung. Ein einzelnes 3D-Objekt reicht oft aus, um Gespräche zu verkürzen, Missverständnisse sichtbar zu machen und Entscheidungen besser vorzubereiten.
Falls die Aufbereitung geeigneter GLB-Modelle intern nicht vorhanden ist, unterstützen wir bei viSales Unternehmen genau an dieser Stelle – von der CAD-Reduktion bis zur verständlichen 3D-Repräsentation für Meetings und Vertrieb.
Wermutstropfen: Diese 3D-Daten sind nur mit passenden Freigaberechten ausserhalb des eigenen Teams präsentierbar.
Im nächsten Schritt lässt sich dieser Gedanke weiterziehen – vom einzelnen Objekt hin zum gestalteten virtuellen Raum, der selbst zum Showroom wird.
Stufe 2a: Individuell gestaltete Meetingräume in Microsoft Teams / Immersive Events
Die Standardräume von Immersive Events sind bewusst neutral gehalten. Büromäßig, funktional, ohne starke visuelle Handschrift. Das erinnert nicht zufällig an frühe Konzepte wie die „Workrooms“ von Meta: Der Raum soll nicht ablenken, sondern Gespräche ermöglichen. Für viele Meetings ist das ausreichend – für Produkt- oder Vertriebsgespräche jedoch oft zu generisch.
Auf derselben technischen Basis lassen sich diese Räume jedoch deutlich weiterdenken. Nicht nur einzelne 3D-Objekte, sondern der gesamte Meetingraum kann gestaltet werden: als virtueller Showroom, als abstrahierte Werkhalle oder als produktspezifische Umgebung. Der Raum selbst wird damit zum Träger der Information – nicht nur das Objekt darin.
Der Unterschied liegt weniger in der Funktion als im Vorbereitungsaufwand.
Ein einzelnes GLB-Modell lässt sich kurzfristig ergänzen (S.o.). Die Gestaltung eines gesamten Raums folgt einer anderen Logik. Hier geht es um Blickachsen, Maßstäbe, Positionen und darum, welche Aspekte eines Produkts oder Systems überhaupt thematisiert werden sollen. Das ist planbar – aber nicht spontan.
Genau deshalb eignet sich dieser Ansatz für Situationen, in denen Klarheit wichtiger ist als Geschwindigkeit. Wenn ein Meeting nicht nur erklären, sondern einordnen soll. Wenn mehrere Produkte, Varianten oder Zusammenhänge gezeigt werden müssen. Oder wenn der Raum helfen soll, Gespräche zu strukturieren, statt sie nur zu begleiten.
Individuell gestaltete Meetingräume sind damit kein Ersatz für den schnellen Einsatz einzelner 3D-Objekte. Sie sind der nächste Schritt: weniger improvisiert, stärker kuratiert – und dafür nachhaltiger in ihrer Wirkung.

Stufe 2b: Virtuelle Produktwelten und Konfiguratoren direkt in Microsoft Teams
Konsequent weitergedacht lassen sich individuell gestaltete Meetingräume nicht nur als Showroom, sondern als zusammenhängende Produktwelt nutzen. Mehrere Produkte, Varianten oder Ausbaustufen können räumlich zueinander in Beziehung gesetzt werden. Selbst einfache Produktkonfiguratoren lassen sich so direkt in ein Teams-Meeting integrieren – nicht als separates Tool, sondern als Teil des Gesprächs.
Diese Idee ist nicht neu. Virtuelle Showrooms gab es bereits vor Jahren. Neu ist jedoch der Kontext, in dem sie heute stattfinden. Statt auf proprietären Plattformen mit eigener Nutzerführung entstehen sie nun direkt in einem B2B-Werkzeug, das millionenfach im Einsatz ist. Das senkt die Hürde drastisch: kein neues System, kein zusätzliches Login, kein Erklärungsbedarf.
Der Zugriff bleibt dabei bewusst offen. Die Nutzung funktioniert am Windows-PC ebenso wie am Mac, optional ergänzt durch eine VR-Brille wie die Meta Quest 3 über eine entsprechende App. Entscheidend ist nicht das Endgerät, sondern der gemeinsame Raum, in dem Inhalte betrachtet und Entscheidungen vorbereitet werden.
Damit verschiebt sich der Charakter virtueller Showrooms grundlegend. Sie sind kein isoliertes Marketing-Format mehr, sondern werden Teil bestehender Vertriebs- und Abstimmungsprozesse. Produktwelten tauchen dort auf, wo ohnehin gesprochen wird – und genau das macht sie im Alltag wirksam.
Die Voraussetzung dafür liegt weniger in der Plattform als in der Gestaltung der Inhalte. Produktdaten, Räume und Logiken müssen so aufbereitet sein, dass sie verständlich, stabil und anschlussfähig bleiben.
Wenn hier Unterstützung benötigt wird, begleiten wir bei viSales die Konzeption und Umsetzung solcher Räume – von der strukturierten Produktwelt bis zur nutzbaren Konfiguration im Meetingkontext.
Wermutstropfen: Auch wenn im Vorgängertool von Microsoft, MS-Mesh, mehr Freiheitsgrade bei der Anpassung möglich waren, ein wenig kann man einen Raum noch anpassen.
Video: Podcast-Folge von "TechUnmuted" mit einer Art Rundgang durch Immersive Events (ca. 18 Min.)
Persönliche Einschätzung
Rückblickend wirkt der Schritt konsequent: Nachdem Microsoft mit Microsoft Mesh zunächst ein eigenständiges Produkt positioniert hatte und dieses noch vor dem Ende seiner Betaphase wieder vom Markt nahm, war die Entscheidung, immersive Funktionen direkt in Microsoft Teams zu integrieren, aus meiner Sicht folgerichtig. Räumliche Zusammenarbeit als Speziallösung zu denken, hat sich nicht bewährt. Sie dort zu verankern, wo ohnehin gearbeitet wird, dagegen schon.
Ich halte es für plausibel, dass genau dieser Schritt auch zur Abkündigung von Metas Workrooms beigetragen hat. Ein isoliertes VR-Produkt ohne feste Einbettung in den Arbeitsalltag hat es schwer – selbst dann, wenn die Idee dahinter sinnvoll ist. Reichweite entsteht heute nicht mehr durch ein zusätzliches Tool, sondern durch Integration in bestehende Routinen.
Technisch sind andere Lösungen weiter: Apples Environments – nutzbar über die Apple Vision Pro – spielen in einer anderen Liga, wenn es um räumliche Tiefe, Interaktion und sogenannte Spatial Websites auf höchstem Niveau geht. Wer diese Einordnung vertiefen möchte, findet unter Stufe 5 auf unserer Seite zu Spatial Websites eine detailliertere Betrachtung dieser Ausbaustufe.
Microsoft wählt bewusst den entgegengesetzten Weg: Mit Teams erreicht das Unternehmen auf Anhieb ein Millionenpublikum – unabhängig von Betriebssystem oder Hardware. Paradoxerweise kennt kaum jemand diese Funktion. Nicht, weil sie kompliziert wäre, sondern weil sie still eingeführt wurde, ohne großes Narrativ.
Mit diesen Zeilen versuche ich genau das zu ändern: nicht zu begeistern, sondern einzuordnen. Nicht zu versprechen, sondern zu zeigen, dass räumliche Meetings längst kein Zukunftsthema mehr sind – sondern eine vorhandene Option.
US-Anbieter Microsoft
Ich bin mir der Lage zum Thema EU-Datensouveränität bewusst, wollte aber wenigstens diese Alternative zum gerade eingestellten Meta-Workrooms vorstellen.
Ausblick: Apples Ansatz zum Metaverse
Wer den Apple-Ansatz weiterdenken möchte: Environments sind Teil einer deutlich umfassenderen Vorstellung davon, wie räumliche Interfaces, Web-Inhalte und Interaktion langfristig zusammenwachsen könnten. Einen ausführlichen Ausblick dazu habe ich in einem separaten Longread beschrieben:
→ Apples Ansatz zum Metaverse: OpenUSD-Environments
Dieser Text blickt bewusst nach vorn. Der Newsletter hier bleibt im Jetzt.
Vielleicht liegt der eigentliche Fortschritt gerade darin, räumliche Klarheit nicht größer zu denken – sondern näher an den Alltag heranzurücken?
Viele Grüße aus dem Homeoffice in Velbert,
Gerhard Schröder
PS: Wenn du wenig Zeit hast oder schnell Orientierung zum Thema 3D-Datenformat GLB für MS-Teams-Calls suchst, kannst du meinem Notebook.LLM Fragen stellen. Es basiert auf Google-KI, greift jedoch ausschließlich auf meine Inhalte, Vorträge und Projekterfahrungen zurück. Ziel ist es, Zusammenhänge zu erklären – nicht, etwas zu verkaufen.
PSS: Aus meiner Erfahrung scheitert der Einstieg in Immersive Events selten an Microsoft Teams selbst, sondern eher an ganz bodenständigen Dingen: passenden GLB-Dateien, der Gestaltung des virtuellen Meetingraums oder einem Verständnis von Spatial Presentation. Genau dabei unterstütze ich mit viSales – von der Aufbereitung vorhandener CAD-Daten bis zur Umsetzung individuell gestalteter Räume. Wenn du das einmal in Ruhe durchsprechen möchtest, sag gern Bescheid. Ohne Pitch, ohne Folien. Bei Tee oder Kaffee.