7. Augmented Reality im Unternehmenskontext
Augmented Reality wird seit Jahren als Zukunftstechnologie diskutiert. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt:
AR ist dann sinnvoll, wenn sie reale Situationen ergänzt, nicht ersetzt.
Unternehmen setzen Augmented Reality heute dort ein, wo Produkte, Anlagen oder Abläufe nicht einfach erklärt oder physisch gezeigt werden können. Nicht als Effekt, sondern als Werkzeug.
Virtuelle Interaktion in Echtzeit
Was AR von anderen Visualisierungsformaten unterscheidet, ist nicht die Technologie selbst – sondern die gemeinsame Betrachtung. Kunden, Vertrieb und Marketing schauen auf dasselbe Objekt, im selben Raum, in Echtzeit. Gerade im B2B-Umfeld entsteht so eine Gesprächssituation, die klassische Bilder, Videos oder Renderings oft nicht leisten können: Komplexe Produkte lassen sich räumlich erklären, von außen und von innen. Inhalte lassen sich an Situation, Produktvariante oder Gespräch anpassen. Dimensionen, Einbauorte oder Funktionen werden greifbar, bevor eine Entscheidung fällt.
AR wirkt nicht, weil sie neu ist, sondern weil sie Dinge sichtbar macht, die sonst abstrakt bleiben.
Typische Einsatzszenarien aus der Praxis
In unseren Projekten begegnen uns immer wieder ähnliche Ausgangssituationen. Produkte, die zu groß für den Messestand sind, werden virtuell im Raum platziert – Kunden erkennen Proportionen und Abstände unmittelbar. Technisch komplexe Geräte lassen sich per Röntgenblick öffnen: Funktionen, Medienflüsse und technische Besonderheiten werden sichtbar, ohne dass jemand erklären muss, was sich im Inneren abspielt. In Bau- und Industrieprojekten lassen sich Pläne oder Einbausituationen direkt vor Ort visualisieren – auf dem Grundstück, in der Halle, am geplanten Standort.
igus – Produktpräsentation mit Röntgenblick
Für igus wurde eine AR-Anwendung entwickelt, die einen Blick ins Innere eines komplexen Produkts erlaubt. Innen- und Außenansicht sind realitätsnah umgesetzt und unterstützen Vertriebsgespräche unmittelbar.
Rheingas – Virtueller Gastank-Check
Passt ein Gastank auf das Grundstück? Welche Abstände sind einzuhalten? Eine interaktive AR-Anwendung ermöglicht die Prüfung direkt vor Ort – für Endkunden und Vertrieb gleichermaßen.
Carl Hamm – Platzsparende Präsentation auf Messen
Große Produkte, kleine Messestände: Für Carl Hamm wurde eine AR-Lösung entwickelt, mit der Rohrverbindungssysteme virtuell im Raum dargestellt werden – direkt am Roll-up.
Siemens DDX – Interaktive Maschinenvisualisierung
Für Siemens DDX entstand eine AR-Anwendung, mit der sich eine Blechpresse starten, stoppen und in ihrer Cloud-Anbindung erklären lässt. Ein Beispiel für datengetriebene AR im Vertrieb.
AR im Kontext denken – nicht als Einzellösung
Augmented Reality ist für uns kein isoliertes Produkt. Sie ist ein Baustein innerhalb einer Präsentations- oder Kommunikationsstrategie – oft kombiniert mit Video, 3D, Animation oder interaktiven Präsentationen. Welche technische Umsetzung sinnvoll ist, hängt vom Einsatz ab: App-basierte Lösungen für komplexe Interaktionen, webbasierte Lösungen für niedrige Einstiegshürden, systemnahe Integration, wo Geräte es unterstützen. Entscheidend ist nicht das Tool, sondern der Nutzungskontext.
Webbasierte AR spielt dabei eine besondere Rolle: keine App-Installation, geringere Produktions- und Wartungskosten, einfache Integration in bestehende Websites und Präsentationen. Gerade im Vertrieb ist das oft der entscheidende Faktor zwischen einer Lösung, die genutzt wird – und einer, die im Schubladendasein endet.
Fazit
Augmented Reality entfaltet ihren Wert nicht durch technische Raffinesse, sondern durch sinnvollen Einsatz. Wenn Inhalte verständlicher werden, Gespräche unterstützt werden und Entscheidungen leichter fallen, erfüllt AR ihren Zweck.
Welche Lösung dafür geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – sondern nur im konkreten Kontext.