RSS-Button für das offene Web

RSS-Button für das offene Web
  • RSS ist offene Infrastruktur: chronologisch und abonnierbar – ohne algorithmische Priorisierung.
  • Algorithmische Feeds konzentrieren Macht bei Plattformbetreibern; Engagement-Logiken begünstigen Zuspitzung und verstärken tendenziell polarisierende Inhalte, weil Erregung messbar ist und Differenzierung selten Interaktion maximiert.
  • Ein sichtbarer RSS-Button im Betriebssystem (z. B. in Safari) würde Informationssouveränität stärken, indem Abonnement wieder als gleichwertige Alternative zur algorithmAischen Timeline etabliert wird.

RSS als verlorene Infrastruktur

RSS ist sicher kein Trend, es ist ein altes Protokoll des Internets. Eine offene Vereinbarung darüber, wie Inhalte verteilt werden können – ohne Plattform, ohne Ranking, ohne algorithmische Gewichtung. Wer publiziert, stellt einen Feed bereit. Wer lesen will, abonniert ihn.

Dass RSS heute als Nischenwerkzeug gilt, ist kein technologisches Versagen. Es ist eine Folge strategischer Entscheidungen. Mit der Einstellung von Google Reader -ich vermute zugunsten von Google+ eingestellt- verschwand nicht nur ein Produkt, sondern ein Zugangspunkt. An seine Stelle traten verstärkt soziale Netzwerke mit algorithmischer Priorisierung. Sichtbarkeit wurde nicht mehr abonniert, sondern berechnet.

RSS wurde nicht ersetzt, weil es technisch unzureichend war, sondern weil es keine Plattformmacht erzeugt.

Wir unterstützen RSS mit unserer Website aktiv, mit einem echten RSS-Feed und offenen Zugangswegen jenseits algorithmischer Logiken...

Machtkonzentration durch Algorithmen

Algorithmen sind keine politischen Akteure. Aber sie strukturieren Öffentlichkeit. Sie entscheiden, welche Inhalte verstärkt werden, welche Themen Aufmerksamkeit erhalten und welche Stimmen in den Hintergrund rücken. Ihre Logik folgt Engagement, Interaktion und Verweildauer.

Meine These ist klar: Algorithmische Priorisierung trägt strukturell zur Polarisierung bei. Nicht zwingend aus ideologischer Absicht, sondern durch ökonomische Anreizsysteme. Zuspitzung erzeugt Interaktion. Empörung erzeugt Reichweite.

Wenn Informationsverteilung primär durch Engagement-Metriken gesteuert wird, verschiebt sich öffentliche Debatte. Sichtbarkeit wird zur Funktion von Erregung. Macht konzentriert sich bei den Betreibern der Systeme, nicht bei den Publizierenden oder Lesenden. Das ist keine moralische Anklage, sondern eine strukturelle Beobachtung.

Demokratie lebt von Pluralität und informierter Entscheidung. Wenn die Infrastruktur der Informationsverteilung proprietär und intransparent wird, entsteht Abhängigkeit – nicht zwingend Zensur, aber strukturelle Steuerbarkeit.

Die Rolle von Apple

Als Apple 2005 Apple Podcasts systemweit integrierte, explodierte die Nutzung von Podcasts. Nicht weil Podcasts neu waren, sondern weil sie sichtbar und zugänglich wurden. Infrastruktur wurde zur Standardfunktion.

Ein sichtbarer RSS-Button in Browser Safari hätte eine ähnliche Wirkung. Kein revolutionärer Umsturz, sondern eine Normalisierung des offenen Webs. Ein Zeichen dafür, dass Abonnement wieder eine gleichwertige Alternative zur Timeline ist.

Das würde sozialen Netzwerken wenigstens etwas Aufmerksamkeit entziehen. Es würde jedoch weder Googles Suchgeschäft noch Apples Hardware- oder Serviceumsätze direkt untergraben. RSS generiert keine Werbeökonomie. Es generiert Beziehung zwischen Leser und Quelle.

Gerade deshalb wäre es ein Signal.

Demokratie braucht Wahlmöglichkeiten

RSS ist kein Garant für demokratische Diskursqualität, aber es ist machtneutraler als algorithmische Feeds. Chronologie ist banal – und gerade deshalb transparent. Sie bewertet nicht. Sie priorisiert nicht. Sie verstärkt nicht.

Demokratie lebt von Pluralität und von informierter Entscheidung. Wenn Informationsflüsse überwiegend durch proprietäre, intransparente Systeme gefiltert werden, entsteht Abhängigkeit. Nicht zwingend Zensur, aber strukturelle Steuerbarkeit.

Ein Betriebssystem, das RSS sichtbar unterstützt, würde keine Revolution auslösen. Aber es würde Wahlmöglichkeiten stärken. Zwischen algorithmischer Timeline und selbstgewählter Quelle.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob RSS modern genug ist. Sondern ob Machtverteilung im Informationsraum als technische Designentscheidung verstanden wird, oder als Geschäftsmodell.

Und wenn Apple diesen Schritt konsequent zu Ende denken wollte, müsste auf einen RSS-Button langfristig auch eine native Unterstützung des Fediverse folgen – nicht nur für das Lesen, sondern für dezentrales Publizieren.

Vielleicht haben wir in fünf Jahren diesen Button?

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