5. Warum wir bei viSales konsequent auf OpenUSD-first setzen
Ausgangspunkt:
ein Vertriebsblick,
kein Tool-Blick
Als ich vor rund fünfzehn Jahren die Agentur gegründet habe, kam ich nicht aus der Grafik und auch nicht aus der Welt einzelner Software-Tools. Ich war Vertriebler. Rückblickend war das ein Vorteil, denn ich hatte keine gewachsenen Präferenzen und keine Produktionsroutinen, die man einfach fortschreibt. Ich konnte mir auf der grünen Wiese eine Idealvorstellung skizzieren: alles aus einer Hand – aber nur das, was im Alltag von Vertrieb und Marketing wirklich Sinn ergibt.
Mich hat von Anfang an weniger interessiert, womit Inhalte produziert werden, sondern wie gut sie sich im Gespräch einsetzen lassen. Ob sie helfen, ein Produkt zu erklären. Ob sie anschlussfähig sind. Und ob sie sich über verschiedene Situationen hinweg weiterverwenden lassen, ohne jedes Mal von vorn zu beginnen.
Aus Vertriebssicht ist nicht entscheidend, welches Tool genutzt wird – sondern ob Inhalte im Gespräch funktionieren.
Das strukturelle Problem klassischer 3D-Workflows
Mit den ersten größeren 3D-Projekten wurde ein strukturelles Problem sichtbar. Dieselben Produkte mussten immer wieder neu aufgesetzt werden, je nachdem, wofür sie gebraucht wurden. CAD-Daten wurden für Renderings umgebaut, Renderings dienten als Vorlage für Videos, Videos ließen sich nicht für interaktive Präsentationen oder AR nutzen. Jeder neue Kanal erzeugte neue Datenstände, neue Abhängigkeiten und neue Kosten.
Aus Vertriebssicht fühlte sich das nicht effizient an, sondern fragil. Spätestens an diesem Punkt stellte sich für mich die Frage, warum visuelle Inhalte nicht von einem gemeinsamen Ursprung aus gedacht werden. Warum man dieselben Produkte immer wieder neu interpretiert, statt sie einmal sauber aufzubereiten und dann kontextabhängig weiterzuverwenden.
Die Entdeckung von OpenUSD als Master-Dateiformat
Auf der Suche nach einer Lösung bin ich 2017 erstmals intensiver mit USD, der Universal Scene Description, in Berührung gekommen – heute bekannt als OpenUSD. Was mich daran überzeugt hat, war nicht ein einzelnes Feature, sondern das Prinzip dahinter.
OpenUSD erlaubt es, eine zentrale Masterdatei zu definieren, aus der sich unterschiedliche Darstellungen ableiten lassen. Nicht CAD hier, Rendering dort und AR irgendwo anders, sondern ein gemeinsamer Kern, der je nach Einsatz weitergeführt wird. Für mich war das kein technisches Detail, sondern eine strukturelle Antwort auf ein wiederkehrendes Problem.
„Wer heute 3D ohne ein Master-Dateiformat denkt, produziert technische Schulden – oft unbemerkt, aber langfristig teuer.“
Keine Tool-Religion,
sondern ein gemeinsamer Ursprung
Wichtig ist dabei: OpenUSD ist kein einzelnes Tool und keine neue Abhängigkeit. Heute unterstützen nahezu alle relevanten 3D-Werkzeuge USD oder USDZ, wenn auch in unterschiedlicher Tiefe. Genau das macht den Standard für uns so wertvoll. Er schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Tools, statt neue Silos zu bauen.
Für unsere Projekte bedeutet das vor allem eines: Inhalte werden nicht mehr pro Medium gedacht, sondern vom Ursprung aus weiterentwickelt. Daraus ergeben sich ganz konkret folgende Vorteile:
- weniger doppelte Aufbereitung derselben Daten
- konsistente Inhalte über Präsentation, Video, AR und Messe hinweg
- geringere Abhängigkeit von einzelnen Tools oder Dienstleistern
- bessere Skalierbarkeit über die Zeit
Diese Effekte sind nicht spektakulär – aber sie machen Projekte stabil.
Warum der Fokus auf Apple kein Zufall ist
Ein weiterer Aspekt, der unsere Entscheidung für OpenUSD verstärkt hat, ist der App-Zwang, der viele AR- und 3D-Projekte unnötig kompliziert macht. Gerade im Apple-Ökosystem zeigt sich, welches Potenzial in USDZ steckt. Mit AR Quick Look lassen sich 3D- und AR-Inhalte direkt aus dem System heraus nutzen, ohne App-Installation und ohne Einstiegshürden.
Für Vertrieb, Marketing und Messen ist das ein enormer Vorteil, der aus meiner Sicht noch immer unterschätzt wird. Er erklärt auch, warum viele unserer Projekte bewusst auf iPhone, iPad und zunehmend auf Spatial-Computing-Geräte setzen. Nicht aus Technikbegeisterung, sondern aus Pragmatismus.
Was OpenUSD für unsere Kunden bedeutet
Für unsere Kunden heißt das nicht, dass sie sich mit Dateiformaten, Pipelines oder technischen Standards beschäftigen müssen. Im Gegenteil. Der Nutzen liegt darin, dass Inhalte länger nutzbar sind, einfacher erweitert werden können und nicht bei jedem neuen Kanal neu produziert werden müssen.
OpenUSD ist für uns kein Verkaufsargument, sondern eine Arbeitsgrundlage. Es passt zu unserer Denkweise, Inhalte vom Gespräch aus zu denken, nicht vom Medium. Vom Nutzen her, nicht vom Effekt. Es ist das technische Fundament vieler unserer heutigen Projekte – von interaktiven Präsentationen über Augmented Reality bis hin zu Spatial Presentation.
Und ganz pragmatisch gilt: OpenUSD ist kein Dogma. Die Ableitung in glTF, Unity oder andere Formate ist Teil unseres Alltags – immer dann, wenn es für Projekt, Plattform und Zielgruppe sinnvoll ist.
Kurzfassung:
Wir setzen auf OpenUSD, weil ein gemeinsamer visueller Ursprung Kosten senkt, Abhängigkeiten reduziert und visuelle Inhalte im Vertrieb langfristig nutzbar macht.