Präzise UWB-Indoor-Navigation auf Messen: Der Außenbereich wird zur Standfläche
Auf der Hannover Messe verläuft man sich. Das ist kein Vorwurf — es ist Physik. Gefühlt 120+ Hallen, vielleicht kein GPS-Signal, und die Wegweiser hängen so hoch, dass man sie erst sieht, wenn man schon vorbeigelaufen ist.
Ich habe mich jedenfalls vor circa 30 Jahren auf der CeBit verlaufen: Falscher Parkplatzausgang und dann fast 2 Stunden das Auto am falschen Ende des Messegeländes gesucht...
Vor ein paar Jahren hatte ich eine Idee: Stelen zwischen den Hallen, im Außenbereich, dort wo die Foodtrucks stehen und die Leute eigentlich nur durchlaufen. AR-Inhalte, die diesen Raum bespielen. Ein hybrider Messestand, der nicht dort endet, wo die gemieteten Quadratmeter aufhören.
Das Problem war immer: Wie findet jemand diese Stele überhaupt — absichtlich? Oder wie findet man einen bestimmten Messebesucher?
Was ist UWB?
Ultra-Wideband ist eine Funktechnologie, die Abstände auf den Zentimeter genau messen kann — schneller und präziser als Bluetooth oder WLAN. Moderne iPhones und viele Android-Geräte haben den Chip bereits eingebaut. Bekannt wurde UWB durch "Wo ist?" / AirTags. Indoor-Navigation ist die logische nächste Anwendung.
Eine Pressemitteilung "Indoor-Navigation mit UWB und FiRa-Standard" vom MWC 2026 hat mich daran erinnert: Pinpoint GmbH aus Chemnitz zeigt dort Indoor-Navigation mit zentimetergenauer Präzision — für iPhone und Android gleichzeitig, ohne App-Installation. Die Grundlage sind kleine Router, die an der Hallendecke hängen. Stell dir GPS vor, nur auf ´ne Art Bluetooth-Basis: Die Router sind die Satelliten, dein Smartphone ist das Auto mit Navi.
Der Raum zwischen den Ständen war bisher totes Gelände, weil niemand dort hinnavigiert wurde. Das ändert sich gerade. Ob die Messeveranstalter das als Chance oder als Kontrollverlust sehen, weiß ich noch nicht.
Realitätscheck
Die Technologie funktioniert — aber jemand muss die Router trotzdem aufhängen und das System einrichten. Pinpoint löst das Präzisionsproblem, nicht das Organisationsproblem. Wer auf einer Messe etwas im Außenbereich bespielen will, braucht trotzdem eine Absprache mit dem Veranstalter. Der Unterschied zur bisherigen Situation: Der technische Aufwand ist jetzt überschaubar. Das Gespräch mit dem Veranstalter bleibt.
Aber: Die Hardware kostet nicht mehr als ein normaler Router. Und es gibt Akku-Versionen mit einer Woche Laufzeit.
Das heißt: Keine feste Installation nötig. Keine Absprache mit der Messeleitung über Infrastruktur. Einfach hinhängen — auch temporär, auch im Außenbereich, auch an einer Stele zwischen den Hallen.
Ein weiterer Impuls zum Thema Dezentralität & Bluetooth: Bitchat — kein Netz, kein Empfang, und trotzdem verbunden.