HyperCard: Das Tool, das das Web hätte sein können

HyperCard: Das Tool, das das Web hätte sein können

1990 wollte Collin Croome so sehr für Apple arbeiten, dass er seine Bewerbung auf einer HyperCard-Diskette einschickte. Er bekam den Auftrag. Später stand er auf der CeBIT und hielt Vorträge für Apple – über genau dieses Tool.

Das war keine Spielerei. Das war ein Statement.

HyperCard, erschaffen von Bill Atkinson und am 11. August 1987 vorgestellt, war etwas, das es offiziell noch nicht geben durfte: ein Werkzeug, mit dem normale Menschen vernetzte, interaktive Inhalte erstellen konnten – ohne Programmierkenntnisse. Jeder Stack war zugleich Dokument, Datenbank und Interface. Wer es einmal benutzt hat, verstand sofort, worum es geht.

Ted Nelson hatte das Docuverse gedacht. HyperCard war der erste Moment, in dem man es anfassen konnte.

Dann kaufte Apple das Tool auf, bündelte es mit dem Mac und stellte es 2004 ein. Das Web hatte gewonnen. Oder genauer: eine vereinfachte, vernetzte, aber deutlich weniger mächtige Version davon.

Was wäre gewesen, wenn HyperCard das Netz geprägt hätte statt HTML? Wahrscheinlich hätten wir heute mehr Werkzeuge in der Hand – und weniger Plattformen dazwischen.

Realitätscheck: HyperCard war Apple – proprietär, nicht vernetzt, ohne offenes Protokoll. Das offene Web hat gewonnen, weil es offen war. Nicht weil es besser war.

Das Video HyperCard Changed Everything hat mich wieder an Collin erinnert – und an unser Visual Com-Podcast-Gespräch "Damals (und heute) bei Apple".

Dass Apple in diesem Jahr 50 wird — am 1. April — macht HyperCard zu einem besonderen Kapitel dieser Geschichte: Mit elf Jahren war Apple jung, als Atkinson dieses Ding auf die Welt losließ. Und es war trotzdem das Mutigste, was das Unternehmen je in die Hände normaler Nutzer gelegt hat.

Diese Zeilen sind Teil einer losen Reihe: Streiflichter auf das Internet, das wir hätten bauen können — nach Xanadu und Habitat.

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